La condition humaine
Das Wunderbare an den Opernarbeiten der Regisseurin Andrea Breth ist die Unberechenbarkeit, mit der sie sich (meist) den Schicksalen von Frauen widmet. Ob es grellbunt wird und überdreht oder nachtschwarz und totenstarr, entscheidet nicht die bis zum Markenzeichen erprobte Methode, sondern die jeweilige Figur, eine musikalische Signatur oder die Verknüpfung mit dem wirklichen Leben.
Bei der Umsetzung von Verdis Traviata fürs Brüsseler Opernhaus musste Breth in ihrer Wahlheimat Wien nicht lange nach dem entsprechenden Realitätsbezug suchen: Der Mädchenhandel mit dem Osten, der Clubs und Betriebsfeiern mit «anspornendem» Menschenfleisch versorgt, hat mittlerweile einen Grad von Zynismus erreicht, dass selbst der Tatort die Mischung aus Menschenverachtung und kapitalistischer Wegwerfmentalität aufgreift.
Also kommt Violetta Valery, die Gestrauchelte aus Verdis erster Oper im großstädtischen Gegenwarts-Milieu, nicht aus der Normandie wie ihr reales Vorbild Marie Duplessis, sondern aus einem jener Container, die sich zum Vorspiel vor dem Zuschauer in einem imaginären Frachthafen aufstapeln: rostig, hässlich, eine Wand aus Panzerblech. Martin Zehetgruber hat diesen Eisernen Vorhang ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Struck-Schloen
Meldungen
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Er sei in der «vokalen Wellness-Diät des Liedgesangs» aufgewachsen und wolle diesem Genre, so gut es ginge, auch treu bleiben, um die Stimme frisch zu erhalten. Dies meinte James Rutherford, Bayreuths Hans Sachs bis 2011, vor zwei Jahren im Interview mit dem Schreiber dieser Zeilen. Von 2000 bis 2002 war Rutherford «New Generation Artist» der BBC und als solcher...
Wenn Monteverdi laut Barrie Kosky die DNA der Oper geschrieben hat, so repräsentiert Cavalli zwischen 1640 und 1660 die zweite Generation. Die 42 Opern des mutmaßlichen Monteverdi-Schülers erweitern, variieren und differenzieren die Figuren- und Szenen-Modelle des Ulisse und der Poppea, räumen dem «singenden Sprechen» aber einen weit größeren Raum ein als diese....
