Irrlichternde Rollgitter
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von Händels «Orlando» brachte die Geschichte vom Soldaten, der der Liebe zugunsten von kriegerischem Ruhm und Ehre abschwört, freilich zu einem bitteren Ende.
Der blaue Superman mit seinen unnatürlich breiten Schultern wird von seinen «Kameraden» wieder als Kampfmaschine auf ein Roboter-Ungetüm gesetzt – ein Zwitter aus ferngesteuerter Riesenkrake und Feuer speiendem Panzer.
David Alden liebt grelle Effekte, bei der visuelle Knaller die Personenregie überdecken – oder ersetzen. Dank der variablen Einheitsbühne von Paul Steinberg und den frechen Kostümen von Buki Shiff kommt auch diesmal keine Langeweile auf. Die Bühne signalisiert Überlebenskampf. Flexible orangefarbene Wände, die wie überdimensionale Rollgitter einer Kaserne oder Fabrik aussehen, begrenzen den Raum, können von innen beleuchtet werden oder auch – wenn der ...
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Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Aufseherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stalinistische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit....
Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch...
Noch vor der Ouvertüre baumelt ein riesiges Weihrauchfass über die Bühne. Dann verschwindet es, um erst in der letzten Szene wieder aufzutauchen. Es liegt im zersplitterten Bühnenboden – eine Bruchlandung. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Natürlich ist eine solche Klammer zwischen Anfang und Ende immer wirkungsvoll. Doch zu retten ist dieser Abend mit solchen...
