Rossini: Der Barbier von Sevilla
Rossinis «Barbiere» wird, allen unter der heiteren Oberfläche verborgenen Abgründen zum Trotz, gern auf den Boulevard der unbekümmerten Lustbarkeiten geschickt. Wer Doktor Bartolo als gockeligen Trottel vorführt, Rosina als ein in Liebesdingen vollreifes Girlie präsentiert, Almaviva zum flotten Freier stilisiert und in Figaro die auf Verkupplungsgeschäfte spezialisierte Frohnatur erblickt, hat die Lacher auf seiner Seite.
Auf die Karte einer vornehmlich mit Slapstick-Effekten operierenden Pop-Commedia, die das 1816 uraufgeführte Stück aus dem Kontext der frühindustriellen Revolution in die medial formatierte Bilderwelt unserer postindustriellen Gegenwart katapultieren soll, setzen nun Timothy Coleman (Regie), Matthias Nitsche (Bühne) sowie Andreas Meyer und Wolfgang Scharfenberger (Kostüme) im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier. Kai Tietje, der sich vor allem als Kapellmeister der wieder einmal zur Disposition gestellten Neuen Philharmonie Westfalen (siehe Kommentar) beherzt für den Unterhaltungswert der von Beaumarchais geborgten Story engagierte, und die Hausdramaturgin Wiebke Hetmanek hatten dem Inszenierungsteam eine in knackigem Jargon gehaltene deutsche Fassung des ...
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Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in...
Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei...
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
