Ehrenrettung

Berlin: Staatsoper Unter den Linden: Chabrier: L’Étoile

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Mit seiner Interpretation von Emmanuel Chabriers Post-Offenbachiade «L’Étoile» ist Simon Rattle an der Berliner Staatsoper eine veritable Ehrenrettung gelungen. Die 1877 an der Opéra Comique uraufgeführte Opéra bouffe über Uff I., König der 36 Königreiche (das ist Wilhelm I., der die 35 Territorialstaaten des Deutschen Bundes zu einem Reich zusammenzwang), war schon immer ein Geheimtipp, der aber nie recht zünden wollte. Für eine Offenbachiade ist die 100-minütige Partitur zu arm an Ohrwürmern. Und die Ohrwürmer, die es gibt, sind zu kurz.



Rattle ergänzte sie um Chabriers «Souvenir de Munich» (eine «Tristan»-Paraphrase mit Kuhglocke) als Umbaumusik, horchte sie mit einer Sorgfalt aus, die einer Brahms-Sinfonie angemessen gewesen wäre, und legte damit offen, dass «L’Étoile» nicht von Offenbachs schnellem Witz her zu verstehen ist, sondern auf die gefühlvolle Stimmungsmalerei der sinfonischen Operette vorausdeutet. Anstelle des Melodienreichtums legte er einen Reichtum an Orchesterwirkungen und mikroskopisch kleinen Melodie-Partikeln frei. So entwickelten etwa im Kitzel-Duett die kleinen Venusberg-Wirbel aus Wagners «Tannhäuser», mit einer laut hervortretenden Glockenspiel-Melodie ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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