Unter Schock
Mozart, Wagner, Massenet, Puccini, Strauss, Berg – Donald Runnicles hat an der Met bereits ein breites Repertoire dirigiert. Das Ergebnis bewegte sich dabei eher auf Alltags- als auf Festspielniveau. Die Premiere der neuen Produktion von Brittens «Peter Grimes» ergab ein anderes Bild. Runnicles gelang eine erstklassige Aufführung, vom ersten bis zum letzten Takt: nicht weniger packend in den Momenten gespannter Stille als in den stürmischen Ausbrüchen, die Orchesterzwischenspiele ebenso spannend wie der naturalistische Dialog.
Das Meer war in der Musik stets gegenwärtig, bisweilen matt, bisweilen voller Erwartung, bald erhaben, bald kosmisch indifferent. Der von Donald Palumbo vorbereitete Chor war, ganz im Sinne des Stücks, die «Hauptperson» des Geschehens.
Der Titelheld bleibt ein Rätsel. Ist er Unmensch? Opfer? Das knabenhafte Gesicht, die Aura verbeulter Unschuld und die hünenhafte Statur von Anthony Dean Griffey hoben die ganze Widersprüchlichkeit der Figur hervor. Die lyrischen Naturbetrachtungen sang er poetisch verträumt, die plötzlichen Zornattacken brachen hervor wie aus höllischen Seelenqualen. Griffeys Timbre evozierte bisweilen in unheimlicher Weise Erinnerungen an Jon ...
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Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» ist eine Art Legende der Operngeschichte. Weniger wegen des sensationellen Erfolgs, den das Werk nach der Uraufführung 1927 hatte, als aufgrund des Umstands, dass die Titelfigur, der schwarze Jazzmusiker Jonny, den Nazis als Signet für ihren Vernichtungsfeldzug gegen «entartete Musik» diente. Seither ist die Oper in aller Munde,...
Wozzeck legt sein Ohr an die Erdkruste: Alles hohl, sagt er, und vermutet als Grund die Freimaurer. Aktuelle Bilder treten einem bei dieser Aussage vor Augen: Die Erde wird ausgehöhlt, das Öl abgezapft, Kohle so lange abgebaut, bis die trügerische «schöne» Oberfläche einstürzt. Menschlicher Forschungsgeist, menschliche Geldgier, menschliche Uneinsichtigkeit gründen...
er Intendant erscheint schon am Nachmittag im Frack. Keine Zeit mehr, um sich umzuziehen zwischen Hausrundgang, Gespräch und Premierenbeginn. Schließlich gibt es viel zu erzählen, zu zeigen, zu erklären im schmucken neuen Heim. Endlich mal ein Musentempel, der nicht geschlossen, sondern (wieder)eröffnet wird. Und so leuchten sie zu Recht, die Augen Anton Nekovars. ...
