Klingende Liebeskasuistik
Eine Oper ohne Szene ist wie eine Hochzeit ohne Braut. Was man sonst aus Italien oder Paris kennt, feierte in Deutschland seine Premiere: der streikbedingte Ausfall einer Uraufführung. Die Uneinsichtigkeit der Dienstleistungsgesellschaft Verdi, die mit dem Komponisten gleichen Namens nur die Dickköpfigkeit verbindet, hat dazu geführt, dass die Uraufführung von Gérard Pessons Oper «Pastorale» im Stuttgarter Opernhaus nur konzertant stattfinden konnte.
Mehr als dreitausend Arbeitsstunden gingen seit Februar in den Theaterwerkstätten verloren, so dass die geplante Ausstattung (Regie: Paul Curran, Bühnenbild: Kevin Knight) nicht fertig gestellt werden konnte. «Eine gnadenlose Niederlage», wie Intendant Klaus Zehelein zu Recht betonte – Niederlage nicht nur für die Kunst, sondern, bei allem Verständnis für die berechtigten Interessen ihrer Mitglieder, auch für die Gewerkschaft, zumindest für deren Streikleitung vor Ort. Theater sind keine profitorientierten Unternehmen und damit das ungeeignetste Ziel für einen Streik, der alle – Künstler, Besucher, aber auch die Bühnenarbeiter selbst – in Mitleidenschaft zieht.
Man hat in Stuttgart aus der Not eine Tugend gemacht – mit einer ...
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Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ariodante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren...
In Gelsenkirchen, das sich seit Jahren mit viel Engagement, aber wenig künstlerischer Fortune, der italienischen Belcanto-Oper des frühen Ottocento annimmt, kam Bellinis «Zaira» zu deutschen Erstaufführung, ja zur ersten Aufführung außerhalb Italiens überhaupt. Dem 1829 bei seiner Premiere in Parma durchgefallenen Werk liegt Voltaires zur Zeit der Kreuzzüge...
Die gepuderte Perücke taucht aus dem aufgeschäumten Kaffeeobers auf. Oder versinkt sie darin? «Latte Amadeus – mit einem Hauch von Mozart» ist die gastronomische Variante des Feldkirch Festivals 2006, wenn man so will eine ganz konsequente. Denn auch in der «kleinen historischen Stadt» (Fremdenverkehrsprospekt) auf der vorarlbergischen Alpenrheinseite hat der...
