Angeschliffen
Eine Neuproduktion von «Lucrezia Borgia» gibt es nicht alle Tage. Auch an der National Opera in
Washington wäre das Stück wohl kaum in Erwägung gezogen worden, wenn Renée Fleming nicht zugesagt hätte, die Titelpartie zu übernehmen. Vor zehn Jahren hat die Sopranistin diese Lucrezia schon einmal gesungen, an der Scala – und wurde dort von den berüchtigten loggionisti ausgebuht.
In einem Interview bekannte sie kürzlich, dass sie die ungehobelte Ablehnung inzwischen als «Ehrenzeichen» betrachte und sich nun «wieder aufs Pferd schwingen» wolle, um ihr Recht auf Lucrezia zu bekräftigen.
Nun zeigte sich Renée Fleming entschlossen, einige ihrer Manierismen unter Kontrolle zu halten, zumal in der Arie «Com’ è bello» im ersten Akt, der sie eine ruhige, schlichte Aura gab – ein Stück echter Belcanto-Kunst. Trotzdem waren angeschliffene Töne und Intonationsprobleme, auch manche Probleme mit dem tiefen Register, im Laufe des Abends nicht zu überhören, besonders wenn Fleming die Zügel etwas schießen zu lassen und instinktiv zu agieren schien.
Wie die meisten Häuser, die «Lucrezia Borgia» herausbringen, präsentierte die National Opera in Washington eine Mischung jener beiden Fassungen, die der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor sechs Jahren schaffte es die Königliche Oper von Kopenhagen, an den internationalen BarockopernBoom anzuschließen. Dafür sorgten vor allem Lars Ulrik Mortensen mit seinem Orchester Concerto Copenhagen und Countertenor Andreas Scholl, der bei dieser Gelegenheit als Giulio Cesare seine zweite Bühnenproduktion bestritt (siehe OW 7/2002). Nun will das Haus an den...
Günther Rühle, seit den sechziger Jahren maßgeblicher deutschsprachiger Theaterkritiker, 1985 bis 1990 sogar selbst Intendant am Frankfurter Schauspiel, hat im März 1984 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Essay veröffentlicht: «Intendant gesucht» (wiederveröffentlicht in dem suhrkamp taschenbuch «Was soll das Theater?»). Zugegeben: Der Text, aus dem wir...
Der Grund, warum die estnische Komponistin Mari Vihmand die auf Deutsch geschriebene Novelle «Die Mathematik der Nina Gluckstein» als Vorlage für eine Oper gewählt hat, ist vermutlich der gleiche, aus welchem dieses kleine Buch in den achtziger Jahren zu einem internationalen Bestseller wurde: Die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar hat in ihrer...
