Trümmerfeld
Ein Wischmopp samt rotem Eimer? Mag sein, dass in diesem augenfälligen Requisit im ersten Akt von «Fidelio» ein zentraler Deutungsansatz der britischen Regisseurin Deborah Warner steckt. Ein anderer könnte der Schluss des zweiten Akts sein, wenn unter ohrenbetäubendem Lärm eine Betonmauer in sich zusammenstürzt.
Unter dem Ansturm urbaner Ikonoklasten? Ein Mauerfall à la Jericho oder Berlin 1989 als Klimax eines vom Minister des Königs angezettelten Arbeiteraufstandes mit Konfettijubel? Wem gilt dieser Kehraus? Vielleicht Daniel Barenboims salopp-diffusem Pultgebaren, das in pseudo-Furtwängler’scher Manier mit schleppenden Tempi und lasziven Crescendi wohl Erhabenheit suggerieren soll. Jedenfalls hätten wir das gern.
Immerhin passt Barenboims uninspirierte Behandlung der Partitur zu dieser Inszenierung. Warner hatte der Produktion am Vorabend der Premiere die «Auge wie Ohr gleichermaßen fesselnde Wahrhaftigkeit eines Shakespeare-Dramas und die Intensität eines Goya-Gemäldes» attestiert. Eine vollmundige Ankündigung, deren Einlösung während der drei langen Aufführungsstunden immer weiter in die Ferne rückte. Während der Pause machten Zuschauer ihrer Ratlosigkeit Luft: Müssen sich ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Carlo Vitali
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