Der Mann vom Meer
Nicht nur einmal passiert es an diesem Abend, dass man an den Titel eines Romans von George Perec erinnert wird, der paradigmatisch steht für den Versuch der Spezies Mensch, sich zurechtzufinden im irdischen Labyrinth: «Das Leben. Eine Gebrauchsanweisung», so hat Perec sein Gesellschaftsgemälde genannt, in dem die Menschen durch das Bild der Welt und durch ihr eigenes hindurchlaufen, als wüssten sie nicht, wo die Sonne steht und wo der Mond und wo sie selbst.
Auch Brittens «Peter Grimes» erzählt davon.
Der Titelheld der Oper, tragisch Scheiternder eigentlich von Anbeginn an (fast könnte man sagen: ein Verdammter), findet einfach keinen Haltegriff im Hier und Heute. Er kommt einem vor wie ein Raubtier, das durch den Käfig schleicht. Außen, drumherum, das Meer, Symbol seiner Freiheit, aber auch seines Todes, und die bigotte englische Kleinbürgerei, sämtlich Menschen, denen vor allem danach ist, das Unglück des Anderen in den Mittelpunkt zu stellen. Eben dies Konstrukt stand in vielen «Grimes»-Inszenierungen im Mittelpunkt: der Einzelne als Opfer einer ihm feindlich gesonnenen Gesellschaft. Grimes als Versinnbildlichung der individuellen Unfreiheit. Als entsubjektivierte Existenz.
In ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Grotesk, wie Intendant Alexander Pereira in seiner Loge ekstatisch mitdirigierte und stumm mitsang – den Mund weiter aufgesperrt als Tamino während der «Bildnis»-Arie. Lippen-Karaoke vom Chef indes konnte an diesem Abend nicht wettmachen, dass Martin Kusej an Mozarts komplizierten Einfachheiten viel anzumerken hatte. Und dass doch, wieder einmal, ein...
Sir Simon, kurz nach Ihrer Wahl zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker im Jahr 1999 wurden Sie gefragt, was Sie sich von dem neuen Job erhoffen. Ihre Antwort war damals: durch die Arbeit mit dem Orchester zu lernen. Was haben Sie während Ihrer ersten fünf Berliner Jahre gelernt?
Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht mindestens zehn Dinge von den...
Sein ganzes Komponistenleben lang war Leonard Bernstein ein eifriger Grenzgänger zwischen «ernster» und unterhaltender Musik, dabei dem etwas pauschalen Motto folgend, es gebe keine Trennung zwischen E und U, sondern bloß zwischen guter und schlechter Musik. Nur die Oper ging ihm nie wirklich von der Hand – obwohl er immer davon träumte, die große amerikanische...
