Fundstücke
Da ist dem britischen Label Testament ein wirklicher Coup geglückt: die Weltpremiere einer mehr als fünfzig Jahre alten «Ring»-Produktion von den Bayreuther Festspielen, die damals von der Firma Decca in Stereoton aufgenommen, aber niemals veröffentlicht wurde. Die Gründe dafür werden im Booklet angesprochen und doch nicht restlos aufgeklärt.
Tatsache ist, dass Decca zu dieser Zeit in hartem Wettbewerb mit EMI stand, die zwei der Sänger (Hans Hotter und Astrid Varnay) exklusiv unter Vertrag hatte und nicht ausleihen wollte, dass ferner John Culshaw, der erste Produzent der Decca, einen eigenen «Ring» im Studio plante und deshalb kein Interesse an einer konkurrierenden Live-Produktion haben konnte. Die Auffassung, dass eine von allen Zufälligkeiten und Unebenheiten einer lebendigen Aufführung gereinigte, mithin klanglich manipulierte Studioaufnahme einem aufgezeichneten Dokument künstlerisch überlegen sein müsse, entsprach der Fortschritts- und Technikgläubigkeit in den fünfziger Jahren.
Heute sieht man das anders und kehrt – auch aus Kostengründen – zur Live-Aufnahme zurück. An dem von Georg Solti dirigierten Culshaw-«Ring», über dessen Herstellung Birgit Nilsson in ihren Memoiren ...
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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ekkehard Pluta, Klaus Kalchschmid
Nach der Pause tritt der Krieger Unferth an, um mit dem Monster Grendel die Kräfte zu messen, auf Sieg oder Untergang. Doch statt zu kämpfen, singt der Mann von Hoffnungen und Frustrationen eines Helden. Seine Arie ist ein, wenn man so will, «lyrischer» und emotionaler Höhepunkt in Elliot Goldenthals solide gebauter neuer Oper – und sie bleibt das auch, trotz...
Es hatte der ganz große Wurf sein sollen. «Brandauer inszeniert Brecht & Weill», tönte die PR-Maschine schon Monate, bevor das Ereignis im nach langem Leerstand wieder halbwegs bespielbar gemachten Berliner Admiralspalast, dem ehemaligen Metropol-Theater, dann endlich stieg. Ein Star-Mime («Never Say Never Again», «Mephisto») kümmert sich, pünktlich zum...
Entgegen den vollmundigen Ankündigungen vom letzten Jahr (siehe OW 11/2005) hat Wulf Konold sein Publikum bei den diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspielen im Musiktheaterbereich auf Sparkost gesetzt. Da die in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen geplante Mozart-Trilogie – «La finta semplice», die beiden Fragmente «L’oca del Cairo» und «Lo sposo...
