Der Mensch und Gottes Gnade
Stiffelio» ist neben «Macbeth» Verdis finsterste Oper, aber leider so gut wie unbekannt. In dem 1850 unmittelbar vor dem «Rigoletto» entstandenen Werk finden sich keine die Tragik transzendierenden Aufgipfelungen, keine utopischen Glücksmomente, wie Verdi sie sonst kennt. Das ungewöhnliche Sujet – Lina, der ehebrecherischen Frau des protestantischen Sektenpredigers Stiffelio, wird am Ende durch göttliche Gnade verziehen – rief seinerzeit die Zensur auf den Plan, so dass Verdi die Oper zurückzog und durch eine Neufassung ersetzte.
2003 ist das rekonstruierte Original in der neuen Verdi-Gesamtausgabe erschienen, das jetzt auch in Mannheim zur Aufführung kam.
Roland Aeschlimanns abstrahierende Bühne taucht die Handlung in schwarze Finsternis, aus der sich nur ein weißes Lichtkreuz auf dem Boden abhebt – Symbol der Zwanghaftigkeit einer von Ideologien gelenkten Gemeinschaft. Beherrscht wird die Szene von den choreografisch stilisierten Chören der durchweg mit Gesichtsmasken auftretenden Sektenmitglieder – einer bedrohlichen Masse religiöser Fundamentalisten. Menschliche Gefühle, das hebt Regula Gerbers Inszenierung eindrucksvoll hervor, haben in dieser Kastengemeinschaft keinen Platz; ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert
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