Poesie und Niesanfall
Bei einem Souper in einem Pariser Salon hatte Gioachino Rossini eine für ihre fragwürdigen Sangeskünste bekannte Dame zur Tischnachbarin. Ihrem in dieser Hinsicht zweifelhaften Ruf zum Trotz wurde sie um eine Gesangsspende gebeten. Nach einigem Zieren kündigte sie eine Arie von Rossini an; davor flüsterte sie dem Komponisten zu: «Ich habe solche Angst!» Rossini: «Und ich erst ...!»
Nehmen wir an, notabene als Fiktion, es hätte damals anstelle dieser Dame der Tenor Maxim Mironov neben ihm gesessen – der Komponist hätte sich solche Ängste erspart.
Rossini wäre mit dem neuen Album des Russen hoch zufrieden gewesen. Mironov ist ein echter tenore di grazia, vom Timbre her weicher etwa als Juan Diego Flórez, weniger metallisch als dieser in der Stratosphäre, in der Farbe vielleicht auch weniger signifikant, doch stets angenehm. Allzu vehement attackierte Hochtöne hört man eher selten von ihm, vielmehr sucht er in der Höhe Kopfstimme und Brustresonanz angemessen zu mischen. Er klingt über alle Lagen hin ausgeglichen und auch in der Tiefe voll. Dabei muss er nie schwindeln, präsentiert seine Mittel stets ehrlich.
Mit seinem Album «Questo è Rossini» ehrt der Tenor den Schwan von Pesaro ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Gerhard Persché
Kathinka Pasveer
Als Solistin bei den Uraufführungen der einzelnen Teile aus dem «Licht»-Zyklus und führende Mitarbeiterin im Studio für Elektronische Musik beim WDR zählte sie zum inner circle von Karlheinz Stockhausen. Jetzt übernimmt die Flötistin die musikalische Leitung des Projekts «Aus Licht» beim Holland Festival. Eine Reportage
Georg Friedrich Haas
Er...
Noch bevor es richtig losgeht, legt Serse in der Garderobe mit Amastre – hier nicht seine Braut, sondern seine Haushälterin – einen Quickie hin. Dann schlüpft er in den Glitzeranzug des Entertainers, betritt die Bühne, setzt sich an den pompös unter einem gewaltigen Rundbogen aus Klaviertasten thronenden Flügel und begleitet sich selbst zu Händels größtem Hit...
Jedes der Stücke beginnt mit dem gleichen musikalischen Motiv hinter der Bühne, gefolgt vom ritualisierten Einzug der Musiker, gemeinsam mit dem Chor. Keine Frage: Nach hiesiger Terminologie muss man das Nō, die inzwischen 650 Jahre alte Form des japanischen Theaters, eindeutig dem Musiktheater zuschlagen, auch wenn man dabei eher an die antike Tragödie als an die...
