Szenischer Dauerdruck
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre.
Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische, die philosophische oder die psychologische Dimension der Geschichte gehen? Es ehrt den Komponisten zwar, dass er diese Entscheidung nicht hat treffen und den von Shakespeare vorgegebenen Zusammenhang nicht auflösen wollte – für sein Stück war das gleichwohl eine unselige Weichenstellung. Denn statt verdichteter Momente bietet sein Text den narrativen Gesamtzusammenhang in gekürzter Form – also das Grundgerüst der handelsüblichen Literaturoper.
Dieser Vorgabe folgt dann leider auch die Musik: Sie setzt keine Schwerpunkte, sie charakterisiert nicht, sondern verharrt in einem Gestus expressiver Daueragitation. Während ein Stück wie Josts «Die arabische Nacht» (OW 06/2008) durch kluge Beschränkung starke Wirkung erzielt, bedient der Komponist sich hier fast aller vorstellbaren Mittel: Flüster-, Sprech- und Singchöre; arios ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Ingo Dorfmüller
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