Abstieg in Rosa
«Madama Butterfly» ist immer wieder Sentimentalität vorgeworfen worden. Ein rezeptionsgeschichtliches Missverständnis? Bei der Mailänder Uraufführung 1904 zumindest wurde das Werk keineswegs als exotisches Rührstück wahrgenommen, sondern als Provokation. Die Premiere bescherte Puccini ein Desaster, es kam ob der deutlich formulierten, massiven Sozial- und Kolonialismuskritik zu Tumulten. Erst eine entschärfte Fassung ebnete der «Butterfly» den Weg ins Repertoire.
Die Titelheldin ist von den großen Frauenfiguren Puccinis die wohl tragischste und die Geschichte ihres Niedergangs durch enttäuschte Hoffnung vor dem Hintergrund eines interkulturellen Konflikts noch immer oder schon wieder hoch brisant.
Regisseur Tilman Knabe verlegt die Geschichte von Cio-Cio-Sans nicht nur fremd verschuldetem Schicksal aus dem Nagasaki des 19. Jahrhunderts in die asiatische Gegenwart. Cio-Cio-Sans Häuschen ist ein klappriger, aber zunächst noch puristisch edel möblierter Container. Kuppler Goro trägt Ballonseide und Gel im Haar; Liebhaber Pinkerton Jeans, Sonnenbrille und Cowboystiefel. Cio-Cio-Sans Verwandtschaft ist eine krawallig lärmende Truppe, die Frauen sind vorzugsweise im aufreizenden ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Vielleicht hängt der internationale Erfolg des 1955 in Hiroshima geborenen Toshio Hosokawa mit einer Sehnsucht zusammen – der Sehnsucht der westlichen Welt, die kommerzielle Kolonialisierung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig zu machen und die alte japanische Kultur wieder leuchten zu lassen: ihre puristische Strenge, ihren Antirealismus, den Kosmos...
Monsieur Dorny, Sie sind 2003 nach Lyon gekommen. Haben Sie erreicht, was Sie sich damals für dieses Opernhaus vorgenommen hatten?
Ein gutes Stück davon habe ich schon geschafft, denke ich. Lyon war in den achtziger und neunziger Jahren mit Chefdirigenten wie John Eliot Gardiner und Kent Nagano ein Haus mit großer Ausstrahlung über die Grenzen Frankreichs hinaus. Es...
Der Kalauer scheint unvermeidlich: Der Mann ärgert sich schwarz. Aber er würde, auch wenn die Aussage im Kern sogar ihr Richtiges hat, auf eine falsche Fährte führen und Eva-Maria Höckmayrs Freiburger «Otello»-Inszenierung banalisieren. Die reicht tiefer. Richtig ist, dass Otello, dem Luis Chapa mächtige tenorale Statur von hoher Durchschlagskraft verleiht, die...
