Verdi, romantisch
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht Erbarmungslosigkeit, die die Figuren mit jeder Nummer ein Stück weiter in den Abgrund treibt.
Und hier wie dort liegen die Gefühle und Interessen so nackt und bloß, dass man keine szenische Opulenz aufbieten muss, um sie zu unterstreichen. Eher tut dem Stück ein schau-, und kammerspielhafter Ansatz gut, der die formalen Zäsuren der Nummernoper als innere Entwicklung der Figuren beglaubigt und so den zukunftsweisenden Charakter der Musik betont.
Erstaunlich, dass ausgerechnet in Lyon rein gar nichts von dieser Qualität zu sehen ist – das Haus hat sich schließlich in der Vergangenheit immer wieder durch Regietheater profiliert. Und eigentlich ist der für die «Luisa» verpflichtete David Alden auch jemand, der Stücken auf den Grund gehen kann. Doch leider ist in dieser Produktion kaum etwas von der Qualität geblieben, die etwa die gefeierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Interview, Seite 30
von Jörg Königsdorf
Ein bemerkenswerter, ein großer Stoff von weltgeschichtlicher Relevanz – und eine bemerkenswert konzise Umsetzung. Wo andere – wie etwa Thomas Mann in seinem «Fiorenza»-Drama – mit breitem Pinsel den Kontrast ausmalen zwischen lebensbejahender Renaissance und dem asketischen, von religiösem Fanatismus geprägten Mönchstum Savonarolas, schafft Volker David Kirchner...
Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites», die 1957 bei ihrer Erstaufführung in Köln von der Kritik verständnislos aufgenommen wurde, macht gegenwärtig die Runde an deutschsprachigen Bühnen. Mit dem gebührenden historischen Abstand nimmt man endlich auch hierzulande wahr, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Nur vordergründig geht es um das...
Ist es das Auge Gottes? Eine riesige Linse spannt sich sich quer über die Bühne – die alles sehende, alles beobachtende, unverrückbare Konstante dieses Breslauer «Parsifals». Sie zeigt mythische Bilder: einen See, abstrakte Spiralen, kosmische Galaxien. Im Vordergrund kreist eine Treppe auf versenkbarer Drehbühne. Der Grundton ist ein arktisches Blau, es...
