Brütendes Unheil

Boesmans: Au monde Brüssel / La Monnaie

Opernwelt - Logo

Zumindest an der Monnaie-Oper in Brüssel ist Philippe Boesmans im Olymp der Komponisten angekommen. Seit der ­Uraufführung von «Au monde» prangt sein Namenszug in goldenen Lettern auf einem Emblem unter der Brüstung der rechten Proszeniumsloge, in bester Gesellschaft der Kollegen Mozart, Monteverdi und Wagner. Die Enthüllung fand nach dem begeisterten Schlussapplaus statt, im Rahmen einer kleinen Gedenkstunde für Gerard Mortier, dem das Haus, einst von ihm an die Spitze katapultiert, den ganzen Abend gewidmet hatte.



Schon in der Mortier-Ära hat der Autodidakt Philippe Boesmans erste Auftragskompositionen geliefert. Er gilt in Brüssel sozusagen als Hauskomponist. Zuletzt kam dort 2005 Boesmans «Julie» nach Strindberg zur Uraufführung, auf ein Libret­to von Luc Bondy, der auch die Regie übernahm (siehe OW 5/2005). Dieses Prinzip der Bündelung hat Boesmans bei «Au monde» wiederholt: Joël Pommerat formte sein 2006 entstandenes Theaterstück zum Opernlibretto um und verantwortet auch die schnörkellose, bisweilen statuarische Regie. «Au monde» erzählt von einer durch rätselhafte Schuld- und Inzestverstrickungen traumatisierten Familie. Ein greiser Metallwarenfabrikant, reich geworden durch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Regine Müller

Weitere Beiträge
www...

Erinnern Sie sich noch? An die Zeiten, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland nur aus dem Ersten, dem Zweiten und ein paar Regionalprogrammen bestand? Und Theater, Oper, Konzert noch einen Platz im (Spät-)Programm hatten? Wer das Neueste vom Tage nicht versäumen wollte, musste sich damals freilich an feste Sendezeiten halten. Als die Künste Anfang...

Loslassen lernen

Sie dirigieren 2016, nach «Lohengrin», Ihre zweite Festspiel-Premiere in Bayreuth: «Parsifal». Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks haben Sie gerade den dritten Akt konzertant aufgeführt. Ein Testlauf?
In solchen Kategorien denke ich eigentlich nicht. Wir haben nach einer Möglichkeit für konzertante Oper gesucht und sind irgendwann auf «Parsifal»...

Lachen, Sorgen, Zagen

Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus’ tref­fender Formulierung Sinn und Zweck der Operette. Von dieser lösenden Wirkung erfüllt ist auch der märchenhafte Schluss von Gioacchino Rossinis Oper «La gazza ladra», wenn nach dreieinhalb Stunden das Justizdrama um das unschuldig zum...