«Stimmbänder kann man nicht einfach reparieren»
Herr Selig, spielen Sie eigentlich noch Orgel?
Ab und an. Aber nicht mehr in der Kirche. Seit ein paar Jahren habe ich zu Hause eine digitale drei-manualige Kirchenorgel. Leider finde ich selten genug Zeit zu spielen.
Was haben Sie von der Orgel fürs Singen mitgenommen?
Direkt vom Instrument wenig.
Vom Kirchenmusiker zum Sänger ist der Weg aber so weit nicht…
Gesungen habe ich natürlich damals schon nebenbei, parallel zu meiner Festanstellung als Kirchenmusiker.
Vor allem Alte Musik, etwa als Gründungsmitglied von Cantus Cölln mit Konrad Junghänel. Die Oper kam zu mir wie ein Überfallkommando. Ich war mit 24 Jahren überhaupt zum ersten Mal in einer Oper, im Rahmen eines Bayreuth-Stipendiums. Ich empfand Opern-singen immer als eine fremde Welt.
Warum?
Weil mir eine gewisse selbstdarstellerische Attitüde, die einige schon in der Hochschule vor sich hertrugen, immer suspekt war. Außerdem kam ich ja aus der Alte-Musik-Richtung, also vom Singen senza vibrato. Es hat einiges an Arbeit gebraucht, um mich von diesem Schritt in Richtung Oper zu überzeugen, obwohl bereits einer meiner Kirchenmusik-Professoren mir gesagt hatte: «Schön, dass Sie Kirchenmusik singen, aber Sie sollten Oper machen.» ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Interview, Seite 30
von Christoph Vratz
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