Die Stachlige
Její pastorkyňa, «Ihre Ziehtochter», hieß das Stück bei Gabriela Preissová, und auch Leos Janácek nannte seine danach gefertigte Oper erst mal so. Was die Verhältnisse zurechtrückt. Denn «sie», die bigotte Küsterin Burya, Mörderin des unehelichen Kindes ihrer Ziehtocher Jenufa, ist die eigentliche Hauptfigur des Dramas. Und Iris Vermillion macht sie denn auch zum eindeutigen Kraftzentrum von Peter Konwitschnys Grazer Inszenierung. Diese Erscheinung, schwarz, hager, starr, düster, könnte aus Dantes Fegefeuer kommen.
Als Stachel steckt sie im Fruchtfleisch fröhlichen Dorftreibens, eine wie aus Glas geschnittene Figur, an der ihre Umwelt sich die Haut aufreißt. Doch wie erschütternd wirkt sie in ihrem Verfall nach dem Kindsmord, eine erbarmungswürdige Frau mit einem schlimmen Schicksal. Mitreißend in der Einheit von darstellerischer und vokaler Intensität bringt die Vermillion das über die Rampe.
Übrigens kommt das Stück im mährischen Original auf die Grazer Bühne und nicht in Max Brods glättendem deutschen Text (wie noch vor einigen Jahren an der Wiener Staatsoper). Wohl mürbe geworden durch Karel Kovarovics Weichspül-Bearbeitung, in der 1916 die Prager Aufführung des Werks ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
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