Glaube, Treue, Schande
Merkwürdig. Ist da was …? Der König hebt den treuen Vasallen im siegreichen Kampf wider die Sachsen hervor. Und die Inszenierung konstruiert da flugs ein Dreieck aus einem notorisch Gutgläubigen und zwei Verdächtigen. Der König: Marke? Die ihn hintergehen: Isolde? Tristan? Und da, bevor Akt zwei anhebt – der da auf der blau-weiß-rot drapierten Bühne durch den Türschlitz späht und lauscht: Melot? Schließlich der das heimliche Liebespaar gegen Morgen aufrüttelt: Kurwenal? Eine maskuline Brangäne?
Lassen wir das Spielchen.
Wir sitzen in Straßburg nicht in einer Oper Richard Wagners. Der König, der der Tafelrunde vorsteht, heißt nicht Marke, sondern Artus, der in Frankreich noch ein zusätzliches h abbekommt: «Le Roi Arthus». Und die sich verborgen zugetan sind, heißen hier Genièvre und Lancelot. Der Zurückgesetzte, der ihnen nachspürt, hört auf den Namen Mordred. Ernest Chausson (1855-1899), wie der Bayreuther Meister Komponist und Librettist in einer – hoch gebildeten – Person, war zwar vom Wagner-Bazillus befallen, aber in keiner Beziehung ein Wagner. Der «Tristan» und seine Chromatik, aber auch der «Parsifal», das Raunen der «Götterdämmerung» sind wohl zum Greifen nahe – und das ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
Ob die Erkenntnis, alles sei schon mal dagewesen, tatsächlich vom legendären Rabbi Akiba ben Josef stammt, wissen wir nicht. Eher anzunehmen, dass der Dramatiker Karl Gutzkow ihm diesen Spruch in den Mund gelegt hat. Auf jeden Fall erleben wir beim Betrachten der Inszenierung von Verdis «Luisa Miller» aus dem Opernhaus zu Malmö ein solches Déja-vu. Denn das...
Ein letzter, hochhackig stöckelnder Gang über die Bühne. Kerzengerade, wie immer mit durchgedrücktem Rücken. Das plötzliche winzige Straucheln von Geneviève, das sofortige Rückerobern der Haltung verrät mehr, als ihr lieb ist und als sie sich sehend eingestehen will. Die Katastrophe ist nämlich längst da. Auf der Bühne kleine Schneewehen, in einer liegt der tote,...
Její pastorkyňa, «Ihre Ziehtochter», hieß das Stück bei Gabriela Preissová, und auch Leos Janácek nannte seine danach gefertigte Oper erst mal so. Was die Verhältnisse zurechtrückt. Denn «sie», die bigotte Küsterin Burya, Mörderin des unehelichen Kindes ihrer Ziehtocher Jenufa, ist die eigentliche Hauptfigur des Dramas. Und Iris Vermillion macht sie denn auch zum...
