Thesen, Rätsel
Einen «Bühnenessay» nennt Elfriede Jelinek ihren Text «Rein Gold». Sie definiert damit kein neues Genre. Sie legitimiert nur, was längst Praxis ist im sogenannten Regietheater: Man nimmt eine alte Vorlage und formuliert dazu Thesen, die gut einen Essay abgäben, aber kein eigenes Stück. So entsteht ein Theater, in dem Worte und Gedanken an die Stelle von Vorgängen und Figuren treten. Vom Sinn der Vorlage bleiben oft nur Reste übrig.
Was Jelinek sich zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen» ausgedacht hat, ist nicht neu.
Denn dass Wagners Ringparabel die Gier, Lieblosigkeit und Verrechtlichung der Lebensverhältnisse im Kapitalismus spiegeln kann, weiß man spätestens seit der Leipziger Inszenierung von Joachim Herz, die 1976 vollendet war und alle wesentlichen Gedanken des Bayreuther «Rings» von Patrice Chéreau im selben Jahr vorwegnahm. Das Ersticken von Wagners revolutionären Impulsen in einem Pessimismus, der Erlösung nur noch im Untergang sieht, ist oft benannt worden. Und der latente Inzest zwischen Wotan und seiner Tochter Brünnhilde dürfte zudem nur ganz arglosen Seelen bislang verborgen geblieben sein. Jelineks kreativer Beitrag ist der Tonfall: Die Zotenfrau unter den ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jan Brachmann
Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten. Der Theologe und Dichter...
Její pastorkyňa, «Ihre Ziehtochter», hieß das Stück bei Gabriela Preissová, und auch Leos Janácek nannte seine danach gefertigte Oper erst mal so. Was die Verhältnisse zurechtrückt. Denn «sie», die bigotte Küsterin Burya, Mörderin des unehelichen Kindes ihrer Ziehtocher Jenufa, ist die eigentliche Hauptfigur des Dramas. Und Iris Vermillion macht sie denn auch zum...
Impulsiv, mit jugendlichem Charme, ehrgeizig: So hat sich der Israeli und Ex-Barenboim-Assistent Omer Meir Wellber in den letzten Jahren nach vorn dirigiert. An der Semperoper geht er nach Strauss erstmals Mozart an, alle drei da Ponte-Opern soll er hier in der nächsten Zeit leiten. Der Einstieg glückt: In «Così fan tutte» überzeugt er mit engagierter, präziser...
