Zurichtungen in die Ordnung
Astronomie gehört nicht unbedingt zu den Stärken des abgehalfterten Filmstars Alexandra del Lago, die sich aus Angst vor Alter und Abstieg gern auf den «Mond, einen toten Planeten» zurückgezogen hätte.
Aber Regisseurin Claudia Bauer hat trotzdem verstanden, was gemeint ist: Gleich zu Beginn hängen vier vereinzelte weiße Ballons im Bühnenhimmel, darauf projiziert jeweils kreisrund verbogene Köpfe, die egozentrische Programmsätze vor sich hin brabbeln: der schwarze Hoteldiener Fly, der gescheiterte Möchtegern-Schauspieler Chance, der rassistische Kleinstadt-Tycoon «Boss» Finley und natürlich Alexandra del Lago, eine ausgebrannte Hollywood-Ruine, randvoll mit Alkohol, Tabletten und Zynismus.
Wer immer denkt, er wohne heutzutage dem Niedergang der politischen oder gesellschaftlichen Kultur der Vereinigten Staaten von Amerika bei, diesem Vorzeigeland der Demokratie, dem kann geholfen werden. Ein Blick in die Stücke von Tennessee Williams genügt: Früher, genauer Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, war es dort auch nicht besser, im Gegenteil. «Süßer Vogel Jugend» von 1959 ist ein dramatisches Prachtexemplar westlicher Desillusionierung, das die gängigen Mythen nicht nur des ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
Eva Behrendt In den letzten drei Jahren, in denen ich selbst Mitglied der Theatertreffen-Jury war, war das Verhältnis Regisseure/Regisseurinnen in der Auswahl Dauerthema. Was hat Sie gerade jetzt dazu bewogen, eine weitreichende Veränderung wie die Frauenquote in die künstlerische Auswahl der zehn «bemerkenswertesten» Inszenierungen einzubringen?
Yvonne...
Die Kamera saugt sich am Gesicht der Mutter fest, der eine Träne über die Wange rinnt, und springt zurück zu den fiebrigen Augen der Moderatorin, die schon wieder ihren nächsten Gast angeht, um ihm ein Gefühl, ein Zitat, eine authentische, zutiefst menschliche Regung zu entringen. An tatsächlicher Auseinandersetzung hat diese Polit-Talkerin à la Anne Will null...
In einem Fotointerview nach ihrer Idealvorstellung vom Gesicht eines Theaterzuschauers gefragt, antwortete Susanne Kennedy kürzlich mit geschlossenen Augen und einem Ausdruck entrückt-entzückter Trance. Überraschend, aber auch wieder bezeichnend, arbeitet Kennedy in letzter Zeit doch irgendwie zweigleisig: an hochartifiziell konstruierten multimedialen Bildwelten...
