Zur Stunde Null ausgerechnet Kroetz
Auen und Wiesen, Paddelboote mit bemützten Männern schlagen kleine Wellen in das ruhige Wasser, die «Weiße Flotte» bringt Eltern mit ihren Kindern in frisch gestrichenen Schiffen an verträumte Orte mit Ausflugslokalen und ganzjährig genutzten Campingplätzen.
Beschaulich, behaglich oder gar betulich sind nicht die üblichen Adjektive für die neue Dramatik, und somit herrscht während des Festivals im Mai ein zehntägiger Ausnahmezustand für die Stadt an der Ruhr.
Das Verhältnis der politisch Verantwortlichen in der Stadt zu den «Stücken» war zu Beginn ambivalent: Stolz und Distanz, Anerkennung, Respekt und Skepsis. Die Sicht von außen dagegen durchweg positiv und geprägt von großer Wertschätzung für das Engagement der Stadt und deren Kulturpolitiker. So schreibt «Die Zeit» am 6. Februar 1976: «Daß nun auch die Stadt Mülheim an der Ruhr alljährlich Theatertage veranstalten will, klingt zunächst nur wie ein Ausdruck mittelstädtischer Kultureitelkeit – was sollen neben den vielen Studio- und Kindertheatertreffen, neben Ruhrfestspielen und Berliner Theatertreffen Festspiele ausgerechnet in Mülheim? ‹Stücke 76› heißt das Motto des ersten Treffens vom 1. bis 8. Mai; es zeigt, daß man sich ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Mülheimer Theatertage, Seite 44
von Udo Balzer
Alvis Hermanis mag die Menschen nicht, wie sie so vor ihm stehen. Er mag sie nur verfremdet. Über Umwege. Mit extremen Masken. Alt. Uralt. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen nach seinem «Kaspar Hauser» 2013 und seinen «Schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper» 2015 im Zürcher Schiffbau. Beim Hauser baute er Kinder in Greise um und hängte sie an...
«Ein Drama in virtuellen und realen Räumen», so ist Volker Schmidts neuer Theatertext «Eigentlich schön» untertitelt. Darin geht es um die recht banale Geschichte einiger urbaner Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, von denen die einen mit den anderen zusammen sind und mit noch anderen fremdgehen. Ein Stück also um Liebe, Sex, Beziehung, Freundschaft,...
Der Professor aus Syrien will nicht in Deutschland begraben werden. Obwohl er seit 30 Jahren in Braunschweig lebt, haben ihm die Behörden nicht erlaubt, seinen Vater zu einem Besuch einzuladen. Jetzt steht der Mann mit dem altmodischen Sakko wütend auf einem Steg über der Raumbühne und protestiert «gegen diese Behandlung».
Der Professor ist kein echter...
