Zürich: Chefsache Weihnachtsmärchen
Es war einmal ein Märchenonkel, dem wuchs das Märchenonkeln über den Kopf. Eben noch hatte er sich behaglich auf den Proszeniumsstufen niedergelassen, Rock und Knautschhose zurechtgezupft, die Kinderschar im Zürcher Pfauenparkett fixiert und sich den ledernen Folianten mit den Sammelerzeugnissen der Brüder Grimm auf den Schoß geladen. Mit einem Mal klappte er das Buch zu und sagt: «Einen Scheiß erzähle ich euch.»
Der Märchenonkel meinte das ernst. Etwas musste sein Vertrauen in das Volksbildungsprogramm der Brüder Grimm erschüttert haben.
Jedenfalls nölte er drauf los, dass er zwar wisse, wie Rumpelstilzchen heißt und was die Großmutter für lange Zähne hat, aber dass er den Piepfratzen im Publikum lieber was «über die Wahrheit von der Welt» erzählen wolle, bevor sie ihn ohnehin mit Papis Maserati plattfahren.
Schade, dass das Zuklappen der Buchdeckel so viel historischen Staub aufgewirbelt hatte. Man hätte sonst bestimmt gesehen, wie sich die blondgraue Märchenonkelmähne bei diesen Worten an den Spitzen wutbürgerrot verfärbte. Die Wahrheit, man ahnte das rasch, hatte mit dem Fünftaler-Lohn zu tun, über den sich der Erzähler beklagte. Es trat dann aber auch gleich ein Aufpasser ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter
Was wünsche ich mir für das Theater in diesem neuen Jahrzehnt? Foyers, die lichtdurchflutet sind, wären gut. Mit geöffneten Fenstern und Schlingpflanzen, besonders im Sommer. Was noch? Dass es am Ende dieses Jahrzehnts selbstverständlich geworden sein wird, dass die Spieler*innen beim Applaus die Bühne mit den Mitarbeiter*innen von Ton, Licht, Video, Technik,...
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
Auch das postdramatische Theater ist inzwischen in die Jahre gekommen. Mit einer Tagung in der Berliner Akademie der Künste und einem Festival im Kreuzberger Hebbel am Ufer feierte das gleichnamige Buch von Hans-Thies Lehmann soeben seinen 20. Geburtstag. Und weil entsprechende Kulturtechniken im Alter ja erbarmungslos zuschlagen, wurde es bei dieser Gelegenheit...
