Zerbrechlich bleiben
Ein kahles Gästeappartement, hineingestellt in die große Spielhalle der Münchner Kammerspiele. Zwei Männer treten auf, beide um die Dreißig, der eine spillerig dürr, der andere das Gegenteil davon. Sie ziehen sich splitternackt aus und sind zwei Stunden lang einfach da. Ohne ein Wort zu sprechen, spielen sie alle Phasen einer menschlichen und künstlerischen Begegnung. Eine halbe Stunde lang stehen sie sich Auge in Auge gegenüber und verknoten die Arme, mal heftig und mal sanft, Berührung provozierend, geschehen lassend und abwehrend. Später wird auch noch geküsst und gekämpft.
Jede Bewegung, die passiert, die Umarmung ebenso wie das keuchende Kräftemessen, ist real und dabei doch reines Theater, von zwei Profi-Akteuren in jeder Sekunde so gewollt, die bewusste Verabredung, etwas zu zeigen im Einklang mit sich selbst und jenseits von jedem Als-ob. So einfach, so klar, so ungeschützt und un-verschämt – ein, wenn man sich darauf einlassen mag, zarter und anrührend freier Abend und eine wohltuende Konzentration auf den Kern dessen, was Theater sein kann: den Blick auf das Andere und über dieses wiederum auf sich selbst zu richten. Man fühlt sich angenehm erinnert an den großen alten ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 120
von Silvia Stammen
We’re in the money!», jubelt Ginger Rogers auf der Tonspur. Die Performer des Nature Theaters of Oklahoma halten strahlend ihre Gesichter in die Kamera, lassen Dollarscheine regnen und räkeln sich zwischen Ein- und Zehn-Dollar-Noten auf dem Boden. «Ekstase!», ruft Regisseur Pavol Liska.
Mit der Video-Parodie auf den US-amerikanischen Musical-Klassiker «Gold...
Für Fritz Kater bedeutet Schreiben nicht nur die Entwicklung neuer Verfahren der Anordnung und Bearbeitung von Wortmaterial, sondern immer eine besondere Art des Verdichtens, des Zuspitzens eigener Wahrnehmung von Wirklichkeit.
«5 morgen», sein neuer Text, schildert eine Welt, in der das Effizienz-Dogma nicht nur die Märkte, sondern vor allem das Menschenbild mit...
Frau Luckerniddle war nicht zu übersehen. Die stets leicht vorgebeugte Pavianpose, mit der sie ihr Hinterteil in die Luft bohrte, dazu das schwarz geschminkte Gesicht, an dessen Rändern die helle Haut der Schauspielerin Isabelle Menke zu sehen war, die Afroperücke, Ethnoklamotten, der starke französische Akzent: Anscheinend wurde hier ziemlich brachial eine...
