Wien: Rettet die Wale
Es lohnt sich, vor Beginn der Aufführung die Synopsis im Programmheft zu lesen. Da erfährt man, dass das Stück im Jahr 3000 spielt, wenn ein großer Teil der Menschheit längst in Weltraumkolonien ausgewandert ist, während sich der auf der Erde verbliebene Rest mit knappen Ressourcen, geschmolzenen Polkappen und einem «neokommunistischen» System herumschlagen muss. Das Stück beginnt damit, dass der Held und Erzähler, der den individuellen Leistungsdruck im Orbit nicht mehr ertragen hat, auf die Erde zurückkehrt.
Er lässt sich willig als Straßenkehrer einschulen und trifft schließlich auf eine Widerstandsgruppe, deren Mitglieder sich selbst verstümmeln, um sich ihrer Identität zu versichern – was in dem streng konformistischen System, gegen das sie ankämpfen, nicht vorgesehen ist.
Im Stücktext selbst werden viele dieser Informationen nur skizzenhaft angedeutet. «Sommer» ist eine postdramatische Textfläche ohne Rollenzuschreibungen, eine Collage aus Stimmen, langen Monologen und kurzen Dialogstellen, hin und wieder von avantgardistischen Spielereien – verblassende Zeilen, seitenweise Zahlenreihen – unterbrochen. Der 1992 im Allgäu geborene Sean Keller, der auch Bühnenbildner und ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
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Zu den unvergesslichen Momenten der diesjährigen Berlinale, Dieter Kosslicks letzter, gehörte die Pressekonferenz, die Angela Schanelec zu ihrem Wettbewerbsfilm «Ich war zu hause, aber ...» gab. Da saß diese fragile Person, Jahrgang 1962, zwischen ihren Schauspieler*innen und sagte mit mädchenhaft staunender Stimme Sätze wie: «Kann sich irgend jemand nicht für Esel...
Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.
Schiller, Wallensteins Lager, Prolog
Bruno Ganz starb in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar. Und noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von seinem Tod. (Thomas Mann, Der Tod in Venedig)
«Er war einer der Größten seiner Zunft», resümierte die «Zeitung für Deutschland» auf...
