Who is who?
Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass einer verschmitzten Reflektion des Theaterspielens genommen. Und sich dabei der Gegebenheiten des vorhandenen Ensembles lustvoll bedient. Das nämlich verfügt in der Person von Michael Klammer über einen farbigen Schauspieler.
Bei Bosse ist Diener Sosias als Schwarzer kostümiert. Wird allerdings nicht von Klammer gespielt, sondern vom schwarz angemalten Schauspieler Robert Kuchenbuch. Klammer spielt Merkur, der den (schwarzen) Sosias spielt. Ein Insider-Scherz.
Eine andere Zuspitzung erfährt das Verwirrspiel mit Amphitryon und Jupiter, die, anders als bei Kleist vorgesehen, von nur einem Schauspieler gespielt werden: Hans Löw, in beiden Rollen derselbe nervös beleidigte Schlaks, was das Durcheinander nicht nur bei Alkmene (Anja Schneider im froschgrünen Seidenkleidchen mit Tiefestdekolletee und wimpernlangem Trend-Pony) ...
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