Wenn alle scheinen
Ensemble ist die gelebte Utopie einer solidarischen Gemeinschaft, in der jeder egoistische Ziele verfolgt unter dem Banner von künstlerischem Ausdruckswillen. Ensemble heißt zusammen. Wenn Theatermachen eine ständige Überforderung ist, ist es nur dieses Zusammen, das es ermöglicht, diese Herausforderung zu meistern.
Wenn man sich ein Ensemble näher anschaut, sollte es aus einer Ansammlung von verschiedensten und widersprüchlichsten Individuen bestehen. Wenn man Ensemble falsch schreibt und nicht so gut französisch kann, würde da stehen «un semble». Also vielleicht: Einer scheint.
Das ist falsch übersetzt, aber es stimmt: Ohne die ganzen Einzelnen, die scheinen wollen, gibt’s kein Ensemble, vielleicht eher eine Müsli-Gruppe. Aber ohne Ensemble kann auch der Einzelne nicht scheinen. Das ist wie ein Körper mit Kopf und Armen, Beinen und Bauch. Was man diesem Körper geben muss, ist Nahrung und Herausforderung, sonst wird er entweder schwach und lahm oder träge.
Ensemble ist die Voraussetzung für Zusammenspiel und für Entwicklung. Vielleicht nicht für Erfindung, die oft von Einzelnen geleistet wird, aber für alles, was danach kommt – für die Vervollkommnung.
Wahrscheinlich geht Theater ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 70
von Sebastian Rudolph
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
Schon der Titel spendet wenig Trost. Er umarmt nicht, gibt keinen Halt, leitet nicht hinein in Emotionen, Identitäten, Welt. Stattdessen: Draufsicht. «3.31.93». Mehr nicht. Ein Zahlencode vielleicht, ein Datum möglicherweise, vor allem aber eine mathematische Formel für die Dramenkonstruktion: drei Teile mit jeweils 31 Szenen. Macht zusammen 93 Augenblicke. Fast...
1. Kurz vor Probenbeginn zur «unverheirateten» von Palmetshofer Ewald, Café Europa, 16 Uhr, Wien
Reinsperger Hallo. Ich bin die Steffi. Schön dich mal kennenzulernen.
Borgmann Ja, schön. Hallo. Robert. Find ich auch. Gut hier irgendwie.
Reinsperger Ja, ich bin öfter hier. Ich kenn’ hier den Barkeeper.
Borgmann Aha. Das kann nie schaden. Ich bestell mal was.
Stefanie...
