Weimar: Einer wird verlieren
Die Zukunft sieht wieder einmal nicht schön aus. Wenn es nach Jörn Klare geht, hat sich die Menschheit zwar einerseits restlos diskreditiert, weil sie im Kampf gegen die Klimakatastrophe versagt hat, andererseits war sie aber schlau – oder dumm? – genug, ziemlich effiziente Algorithmen zu entwickeln. Diese «Algos», so die kumpelhafte Bezeichnung für künstliche Intelligenz, haben inzwischen die Macht übernommen und entscheiden, wer bei beschränkten Ressourcen weiterleben darf oder nicht. Dabei geht es um klare Kosten/Nutzen-Rechnungen.
Wer zu alt, krank oder sonstwie hinfällig ist, dem wird nahegelegt, der Menschheit nicht mehr weiter zur Last zu fallen. Wer das nicht freiwillig einsieht, dem wird nachgeholfen.
In «Restleben» treffen sechs entmündigte Erdlinge in einem geschlossenen Raum zur «Ressourcenoptimierung» aufeinander. Bei Wasser und würfelförmiger Gelatine-Nahrung müssen sie unter ständiger Kamerabeobachtung abwarten, was die Algos mit ihnen vorhaben. Die Situation führt, wie aus zahllosen Geschlossene-Gesellschafts-Plots nicht anders zu erwarten, zu fortschreitendem gegenseitigen Psycho-Gemetzel, das in der Regie von Sebastian Martin vergleichsweise mild ausfällt. ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Franz Wille
Im Jahr seines 120. Geburtstages sind eine Flut von neuen Titeln sowie einige Filme über Leben und Werke von Bertolt Brecht erschienen. Der Erfolg der «Dreigroschenoper» und ihrer Songs war nie zu bremsen, Brechts nachträgliche Versuche, den Stoff politisch zu verschärfen, ihm antikapitalistische Tendenzen beizumischen, wurden aber selten besonders ernstgenommen...
«Schiggele» ist ein Mädchen, und wer auf Deutsch lacht, «schmollt» auf Jenisch. «Mulo» ist Tod und Teufel in einem – Jenisch ist die Sprache von fahrendem Volk. Anleihen gibt’s aus dem Romanes, der Sprache von Sinti und Roma (das sind «Manische» neben den «Jenischen»), auch Jiddisch, Deutsch und vieles mehr klingt mit, wenn Jenische sprechen. Für den in Singen...
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns totgesiegt.» Diesen Satz möchte der Historiker Philipp Blom «gerade den linken, liberalen Intellektuellen» zur Eröffnung der Intendanz Johan Simons ins Stammbuch schreiben: Das Bewusstsein, aus einer Position der Macht und der Privilegien zu sprechen, zu lehren, politische Kunst zu machen, war in der Tat lange Zeit nicht...
