Weil ich ihn essen will
Ich glaube, Theater ist dann am besten, wenn eine Spannung zwischen Strukturen und dem dringenden Impuls besteht, Formen zu verändern und neu zu erfinden. Künstler arbeiten unter dieser Spannung am besten. Theaterabende funktionieren, wenn diese Spannung vorhanden ist. Ich glaube, sie verleiht jeder Einrichtung neue Energie und verhindert die Erstarrung zur Institution. Spannung ist lebenswichtig, und lebenswichtig ist meiner Ansicht nach auch, dass man Menschen, die künstlerische Einrichtungen leiten, den Raum und die Energie zugesteht, diese neu zu erfinden und neu zu imaginieren.
Sobald Theaterstücke oder Künstlerleben oder Einrichtungen erstarren, sind sie meines Erachtens praktisch überflüssig. Um Vitalität zu besitzen, müssen sie zunächst lebendig sein. Aus diesem Grund ist es so aufregend, hier zu sprechen, und aus diesem Grund ist es eine Ehre, Chris Thorpes Arbeit beim Theatertreffen und in Berlin vorzustellen.
Mein Job ist es jetzt, Ihnen in sieben Minuten von Chris Thorpes Arbeit zu erzählen und zu erklären, warum ich mich für ihn entschieden habe. Aber aus einem Geist heraus, den Sie hoffentlich akzeptieren werden wie Chris es ganz bestimmt tut, lasse ich es bleiben. ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Simon Stephens
Über Morde lacht man nicht. Mord als Unterhaltung gibt es nur im Krimi- oder Horrorgenre. Und Ehrenmorde gar, die moralisierten Grausamkeiten, sind in Deutschland Anlass für reale Justiztragödien (Berliner Ehrenmord an Hatun Sürücü) oder pädagogisch wertvolle Jugenddramen (Lutz Hübners «Ehrensache») oder für verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen über das...
Nur Näherungen kann es geben beim Nachdenken über Horst Sagert, Näherungen an einen Künstler, dessen Werk im Unaufschließbaren geblieben ist. Sagert wollte dem Geheimnis des Lebens, seines Lebens, auf den Grund kommen. Dafür stellte er Fragen, immer wieder Fragen. Auch und zuerst an sich selbst. Antworten gab er nicht. Er scheute keine Anstrengung, im faustischen...
Wir leben. Wir leben. Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat. Keiner schaut gnädig herab auf unseren Zug, aber auf uns herabschauen tun sie schon. Wir flohen, von keinem Gericht des Volkes verurteilt, von allen verurteilt dort und hier. Das Wißbare aus unserem Leben ist vergangen, es ist unter einer...
