Was tun? Oder nichts tun?
Wer hätte gedacht, dass Shakespeares Hamlet einmal die Herausforderungen einer Weltfinanzkrise bestehen muss? Ausgerechnet Hamlet, einer der ersten dramatischen Europäer, der anfängt, auf offener Bühne über sich nachzudenken und prompt zu keinem klaren Entschluss mehr findet. Ausgerechnet Hamlet, der nicht einmal den Mord an seinem Vater rächen kann, ohne ein ganzes Königreich ins Verderben zu reißen. Ausgerechnet Hamlet, der, wenn er endlich mal zum Degen greift, zielsicher den Falschen absticht.
Andererseits hat die Stückwahl ihren Reiz: Schließlich haben sich gerade die entscheidungsstrotzenden Masters of the Universe von der Wall Street als jämmerliche Versager erwiesen.
Filbingers Stuttgarter Erbe
Der junge Dänenprinz, der nicht so recht weiß, was er tun soll, braucht jedenfalls Orientierung. Und Volker Lösch, immer für eine starke Regie-Hand gut, sorgt in Stuttgart wie gewohnt für klare Perspektiven. Die zündende Schlüsselidee für seine Inszenierung hat er sich bei dem lokalen Bildhauer Peter Lenk ausgeborgt. Lenk, ein figurativer Gestalter mit einem Hang zum Karnevalsscherz, hat schon Martin Walser für seinen Heimatort Überlingen als muffigen Reiter mit ältlichen ...
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Die gute alte Brecht-Gardine hat sich auf deutschen Bühnen längst flächendeckend zum gern genutzten Raumkonzept aufgebläht: als verlängerter Zuschauerraum, Tonstudio, Probebühne, Theater-auf-dem-Theater-Setting, das die Vorgänge in Anführungszeichen setzt, als müsste man noch immer der Gefahr des romantischen Glotzens rigoros entgegenwirken; als wüchse die...
Kann sein, dass Donna ihre beiden kleinen Kinder getötet hat. Kann sein, dass sie krank ist. Wir werden es nie erfahren. Sicher ist nur: Sie wird verurteilt, in den Knast gesteckt, durch die Medienarena geschleift und in zweiter Instanz aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Dennis Kelly hat aus dem Medea-Thema ein Doku-Drama in Zeiten der Kindsmordhysterie...
Auch wenn die Größenverhältnisse andere sind, so verhält es sich mit dieser Sunnyi Melles auf der Zürcher Pfauenbühne doch gerade so wie mit einer gewissen Nicole Kidman in einem Film namens «Australia»: Da wird eine Diva gewordene Lichtgestalt, ein Geschöpf, an Körper wie an Benehmen ganz und gar vornehm, ein Wesen, so hell und zart und zerbrechlich, plötzlich zur...
