Was nützt die Wahrheit?
Der Krieg hat seine eigenen Gesetze, und er schreibt Biografien, die nach einem Sieg oder einer Niederlage nicht aufhören: Der Krieg ist nachhaltig. Aber wenn die Waffen schweigen, verstummen meist auch die Menschen, die mitgekämpft haben oder unter den Auseinandersetzungen zu leiden hatten. Die Erinnerung an Wahnsinn und Schrecken jener von «einstürzenden Himmeln» verschütteten Zeit kommt dann einem neuerlichen, schmerzenden Gewaltakt gleich: «Und mein Gedächtnis ist explodiert», sagt die alte Nawal in Wajdi Mouawads Stück «Verbrennungen», wenn sie nach Jahren ihr Schweigen bricht.
Dann beginnt eine, ihre Geschichte, die so unglaublich ist, dass sie denjenigen, die sie nun hören, rekonstruieren und vor allem weiterleben müssen, selber die Sprache verschlagen wird.
«Es gibt Wahrheiten, die man selber entdecken muss», heißt es da einmal, und so funktioniert auch dieses Drama, das am Schauspielhaus in Nürnberg und am Deutschen Theater in Göttingen zeitgleich seine deutsche Erstaufführung erlebte: Man kann nur von der bösen Ahnung erzählen, die über dem Geschehen schwebt; die Wahrheit, auf die es sich zuspitzt, ist entsetzlich, ist der Höhepunkt eines sich quälend entwickelnden ...
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