«Was ich da verpasst haben soll, ist mir schleierhaft»
Franz WilleHerr Lammert, Sie haben die «Faust»-Verleihung in Essen nach einer guten Stunde verlassen und mit einem wütenden offenen Brief quittiert. Darin ist die Rede von einem «beliebigen Fernseh-Unterhaltungsformat» und «fernsehgerechten Häppchen». Was hat sie da am meisten aufgeregt?
Norbert LammertDass ausgerechnet der Deutsche Bühnenverein einmal mehr Theaterpreise in Fernsehformaten unter völligem Verzicht auf authentisches Theater verleiht. Meine Kritik ist ja nicht neu.
Ich habe das schon bei der ersten «Faust»-Verleihung vor fünf Jahren geäußert und fühle mich insofern vorgeführt, als meine Teilnahme mit der
Zusicherung verbunden war, man habe das damals kritisierte Format gründlich weiterentwickelt. Die einzige «Entwicklung», die ich feststellen konnte, war die Saalwette.
FWDie Idee, einen Theaterpreis als Bambi-Gala auszurichten, kam ursprünglich vom ZDF-Theaterkanal und seinem Leiter Wolfgang Bergmann. Er hat seit Jahren vergeblich versucht, so etwas beim Berliner Theatertreffen einzuführen. Sein Argument war immer, das Theater müsse gefälligst dankbar sein für die öffentliche Aufmerksamkeit, das ihm das Fernsehen bietet.
LammertEs fällt mir außerordentlich schwer, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Franz Wille
Wenn die Nächte immer noch lang sind, verlässt man sich im Theater gerne aufs Vertraute. Der Kanon lädt ein, z.B. mit Tschechow, in dessen «Kirschgarten» sich in Köln Karin Henkel begibt, dessen «Möwe» in Dresden Burkhard C. Kosminski fliegen lässt und dessen «Drei Schwestern» in Oberhausen Peter Carp versorgt.
Gern gesehen auch Gerhart Hauptmann, in Berlin etwa,...
Lucy Prebbles «Enron» wurde von britischen Kritikern mit superlativen Rezensionen überhäuft, als «era-defining, must-see theatrical event of the year» gefeiert und hat 2009 und 2010 alle 21.800 Plätze seiner Royal-Court-Theatre-Laufzeit sowie seinen West-End-Transfer ausverkauft. Nicht schlecht für ein Stück über den Kollaps eines texanischen Energieunternehmens....
Die Revolution hat tolle Beine und sieht auch sonst sehr gut aus: ein knappes Schwarzes mit passenden High Heels zur perfekten Erscheinung. Zwar kann Xenia Noetzelmann nichts für ihr Äußeres, aber wenn sich die kommunistischen Kader im illyrischen Untergrund wie Models für eine schicke Vernissage präsentieren, wird das Private zwangsläufig politisch. Vor allem in...
