Vom Whisky verweht
Geht es um Sport und Homosexualität, hat man es auch heute noch mit einem explosiven gesellschaftspolitischen Thema zu tun. Alleine das zeigt, wie weit Tennessee Williams sich vorwagte, als er vor mehr als fünfzig Jahren den Konflikt des Sportreporters Brick während einer Familienfeier zum Köcheln brachte. Man hat sich zu Ehren von Big Daddy versammelt, und da sitzt der ehemalige Footballspieler nun mit seiner kampfeslustigen Maggie im Gästezimmer des Familienanwesens und hat sich zu allem Übel auch noch einen Knöchel gebrochen.
Er kann ihr nicht entkommen und verachtet die Frau, die, seiner eigenen homoerotischen Verstrickung zum Hohn, selbst mit Freund Skipper ins Bett gestiegen war.
Kurz darauf starb Skipper, Brick säuft seither. Maggie kommt nicht mehr an ihn ran, auch nicht hier im Gästezimmer, in das die brüllenden Kinder des älteren Bruders Gooper (Gregor Trakis) und dessen Gattin Mae (Verena Bukal) wie eine Heimsuchung einfallen. Wir sind mitten in einem «Vom Whisky verweht» der bigotten 1950er Jahre. In Mainz inszeniert hat es Sarantos Zervoulakos, der vor zwei Spielzeiten ganz überzeugend John Steinbecks «Jenseits von Eden» für Heidelberg adaptierte und sich jetzt mit ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Staatstheater Mainz, Seite 58
von Jürgen Berger
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