Urheberrecht: Coppola Calling?
Einen zugeneigteren Richter als Andreas Müller hätte sich das Münchner Residenztheater gar nicht wünschen können. Juristisch hatte man in der Sache «Baal» nicht den Hauch einer Chance. Frank Castorfs Inszenierung verwendet in ihrer Fassung umfangreiche Fremdzitate – darunter Texte von Rimbaud, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Frantz Fanon sowie längere Passagen aus Francis Ford Coppolas Film «Apocalypse Now» –, die dem Verlag nicht zur Zustimmung vorgelegt wurden.
Man hatte zwar irgendwie miteinander geredet, sich möglicherweise gezielt falsch verstanden, aber juristisch wasserdicht war die Angelegenheit nie. Denn ein üblicher Aufführungsvertrag erlaubt nun mal dem Buchstaben nach keine gravierenden Werkänderungen, wenn nichts anderes festgelegt wird.
Die Grauzonen in den Gesprächen zwischen Verlag und Theater waren vermutlich sehr kalkuliert, denn die 84-jährige maßgebliche Brecht-Erbin Barbara Schall gilt als eisern werktreu und völlig beratungsresistent in Regietheaterdingen. Jede ambitioniertere Brechtdeutung, die vom kanonisierten Wortlaut erkennbar abweicht, müsste genehmigt werden. Und da der Versuch nicht nur meist vergebliche Liebesmüh wäre, sondern schlafende Erben wecken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Franz Wille
Die Konkurrenz ist groß. Am Arbeitsmarkt genauso wie draußen in der freien Wildbahn. Dort kämpfen Zebra und Löwe um die Vorherrschaft über die anderen Tiere und gehen dabei strategische Allianzen und erfolgsorientierte Partnerschaften ein. «Up or out» lautet ein Prinzip neoliberaler Arbeitswelten, in der Tierwelt des Roland Schimmelpfennig heißt es dagegen:...
Es fällt schwer, nicht bei allem, was das Volkstheater Rostock derzeit produziert, sogleich den beklemmenden Doppelsinn zu vernehmen. Das war schon so beim Spielzeitauftakt im September 2014 mit Wilhelm Dieter Sieberts Mitmach-Oper «Untergang der Titanic», die mit ChoristInnen in Totenkopfmasken eine weitere Saison Existenzkampf in kulturpolitisch schwerer See...
Es gibt sie wirklich – Mails, die alle Probleme mit einen Handstreich aus der Welt schaffen können. Bei Peter Thiessen traf eine solche Nachricht am Anfang des Jahres 2007 ein. Sie stammte von der Regisseurin Friederike Heller und enthielt eine vorsichtige Anfrage: ob er sich vorstellen könne, mit seiner Band die Musik für eine ihrer Theaterproduktionen zu...
