Unverhoffte Gegenwart
Ein Bild wie aus der «Vogue»: Eine hohe schwarze Lackwand mit vier türähnlichen Schlitzen, die das hindurchfallende Licht zerschneiden. In einem liegt dekorativ eine Frau, den Kopf nach hinten zum Publikum geneigt, ihr wallendes rotes Haar berührt den Boden. Fluchend kämpft sie sich aus ihrer Position, lacht hexenartig und böse. Eine kurze Entgleisung der ansonsten kontrolliert neurotischen Königin Elisabeth in Anna Bergmanns auf ästhetischen Hochglanz polierter «Maria Stuart»-Inszenierung am Schauspiel Essen.
Ihre Gegenspielerin, die von ihr gefangen gehaltene schottische Königin Maria – eine Frau mit dunklen langen Haaren und fließenden Gewändern –, steckt nicht minder fotogen in einem massiven Marmorrahmen fest, die die Drehbühne von Florian Etti freilegt. Stummfilmhaft geht es im Eildurchlauf durch die Verwicklungen des ersten Aktes: Textrudimente werden auf den Rahmen projiziert, Maria windet sich anmutig händeringend unter an ihr zerrenden Männerhänden, dazu untermalende Musik im Stil von «Peter und der Wolf».
Wie ein putziges Märchen in historischen Tudorkostümen lässt Bergmann ihre «Maria Stuart» beginnen, um am Ende in der Gegenwart anzukommen, in der die Attentäter ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Natalie Bloch
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