Julia Riedler (vorne) und Ensemble in David Martons Jam-Session zu Jack Kerouacs Beat-Kultroman «On the Road» an den Münchner Kammerspielen; Foto: David Baltzer
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War in München zuletzt heftig über den schwer scharfzustellenden Begriff Schauspielkunst und deren womöglich drohendes Ende durch eine falsch verstandenen Authentizität des Performativen gestritten worden, so scheinen nun beide großen Häuser, Residenztheater und Kammerspiele, angetreten, sich als veritable Schauspielertheater zu beweisen – mit unterschiedlichem Ansatz und Impetus allerdings.
Am Residenztheater richtet David Bösch seine Inszenierung von Maxim Gorkis Prärevolutionsdrama «Kinder der Sonne» über die Entfremdung der bürgerlichen Intelligenz von der Not der armen, 1892 auch noch von der Cholera heimgesuchten Landbevölkerung von vornherein als grobmotorige Typenkomödie aus. Patrick Bannwart hat dazu ein weitläufiges Labor-Loft mit viel vergilbtem Bildungsgut und Post-it-Zetteln an den Wänden, einem Konzertflügel und Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer» als Fototapete ausdekoriert.
Darin lässt Bösch seine Schauspieler über weite Strecken mit der Reproduktion vordergründiger Klischees und schrulliger Verhaltensmuster aus den Schubladen des Regiehandwerks allein. Norman Hacker gefällt sich als liebenswert-monomaner Wissenschaftler Protassow, der mit den ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Silvia Stammen
Bonbon-Farben beherrschen die Bühne von Jürgen Höth für das erste Nachspiel von «Vereinte Nationen» (abgedruckt in TH 4/17) – ein Talkshow-Ambiente? Die Möbel der bunten Sitzgruppe haben alle runde Ecken. Verletzen also sollte sich hier niemand – während im Kontrast das Stück ja Verletzung ohne Pause zeigt. Anton und Karin missbrauchen die Tochter Martina als...
So ein süßes Raumschiff! Es surrt freundlich beim Fliegen, es blinkt und leuchtet bunt, es landet ganz sanft vor den Füßen der ersten Reihe – und wer auch immer da an Bord ist, fängt sofort an zu schimpfen wie ein Rohspatz: «Ihr seid so dumm und scheiße, so krass dumm und scheiße einfach!» Damit wir Erdlinge das hören können, hält ein Schauspieler in weißer...
Das «Programmheft» zu Herbert Fritschs Horváth-Abend an der Schaubühne braucht keine Worte: Es ist ein zweifaches Daumenkino. Lässt man es zur einen Seite flattern, huschen die Zentralgeister des Fritsch’schen Universums vorbei, seine Schauspieler. Dreht man es um und lässt den Daumen blättern, fliegt der Zeppelin heran, eine Fritsch-Zeichnung, und steigt und...
