Und was wird aus meinem Fleisch?

Benjamin von Blomberg über Elfriede Jelinek «Tod-krank.Doc»

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Jedem der Stücke von Elfriede Jelinek geht ein fassbarer Schreibanlass voraus. Das ist nicht erst offenkundig, seit sie diesen das eine oder andere Mal auch einfach drüber schreibt und Sekundärdramen verfasst wie «Abraumhalde» (zu Lessings «Na­than der Weise»), «FaustIn and Out» (zu Goethes «Faust») oder «Rein Gold» (zu Wagners «Ring des Nibelungen»).

Meist aber ist die Wirklichkeit ihr direktes Bezugssystem: die globale Wirtschaftskrise zum Beispiel, an der sie sich seit «Die Kontrakte des Kaufmanns» noch immer in vielen Fortschreibungen abarbeitet, oder zuvor der Irak-Krieg der Bush-Familie («Bambiland»), der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder oder oder. Auch wenn schon alles in Schutt und Asche liegt, zündelt sie an den Walhallas des Jen- und Dies­seits. Sie kehrt den Dreck zurück ins Getriebe. Gerade da, wo alles relativierend oder schockstarr oder kapitulierend oder Augen verschließend schweigt, da schreibt sie. Und findet eine Sprache und eine Form. 

Auch bei «Tod-krank.Doc» gibt es diesen Anlass. Anfang 2008 wurde bei Christoph Schlin­gensief Lungenkrebs dia­gnostiziert, 2010 sollte er an den Folgen der Erkrankung sterben. In den beiden Jahren vor seinem Tod verarbeitete ...

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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 172
von Benjamin von Blomberg

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