Theatertelefonservice
Die oft schon totgesagte Tante Mitmachtheater ist der Schrecken nicht nur aller Kritiker. Tatsächlich erfreut sie sich außerhalb ihres klassischen Wirkungsfeldes, dem Kindertheater, immer noch höchst robuster Gesundheit. Zum Beispiel im Hebbel am Ufer, Matthias Lilienthals Berliner Spielstätten für die experimentelle Freie Szene. «Bitte zieht euch oben euer Affenkostüm an», sagt eine junge Frau, die selbst ein Affenkostüm trägt, mit einer Stimme, die keine Spielverderber duldet.
Gutwillig schlüpfen wir im oberen Foyer des alten Hebbeltheaters in eine Art Ganzkörperschlafsack aus Pannesamt mit einem Reißverschluss vom Bauch bis zum Kragen, Kapuze und einem Schwanz am Po. Vors Gesicht kommt ein Tuch mit Gorillakopfapplikation. Jetzt dürfen wir ins Theater.
Auf der großen Bühne sieht es aus wie am Set von «Flashdance». Lange Reihen von Kleiderständern biegen sich unter Tanzgarderoben und bunten Perücken, an der Seite steht eine bonbonfarbene Bar voller Pina Coladas aus Plastik, und über den verschiedenen, oft nur mit einem farbigen Tuch angedeuteten Spielorten rotiert eine funkelnde Discokugel in Form eines riesigen Affenschädels. Überall stehen Menschen herum, die über ihren ...
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Frech, böse, aufsässig glotzen die niedlichen Geschöpfe aus den Bildern des 1959 in Japan geborenen A. R. Penck-Schülers Yoshitomo Nara in die Welt. Da stimmt was nicht, bedeuten sie und trotzen tapfer dagegen an: Blessuren, Schrammen indizieren Streit und Prügelein. Plakativ und doppelbödig gerieren sich Naras an populäre Comicstrips angelehnte Bildfindungen:...
Otto will Sex, und Hilde will keinen. Und wenn so eine ganz alltägliche Verweigerung auch noch von einer ganzen Spiegelwand im Mansardenschlafzimmer reflektiert wird, sollte das für einen testosterongeplagten Möchtegerncowboy wie Otto umso peinlicher sein. Ist es aber natürlich nicht. Otto (Thomas Huber) kann sich zum Beispiel seelenruhig im Badezimmer über...
Gegen Schillers Hitze – die Kälte, gegen Schillers Höhe – die Fläche, gegen Schillers Pathos – die Beiläufigkeit, gegen Schillers Universalismus – das Private. Wogegen man aninszenieren muss, weiß man bei Schillers «Räubern» immer. Schon Schiller selbst gab in seiner Selbstrezension der Uraufführung von 1782 Ratschläge, wie man gegen sein Stück vorgehen solle: vor...
