Theaterstrukturdebatte: Der Qualitätsoptimierer
Alle kennen seit über 20 Jahren das große Theaterkrisenszenario: Eine überforderte Kulturpolitik sorgt bei angespannten kommunalen Haushalten unter abnehmender öffentlicher Theaterbegeisterung für hohen Spardruck, der durch immer mehr Produktionen ausgeglichen werden soll und spätestens dann in die strukturelle Unterfinanzierung mündet, wenn über Jahre Tarifsteigerungen nicht ausgeglichen werden. Am Ende stehen schrumpfende künstlerische Etats, drohen Personalkürzungen und möglicherweise Spartenschließungen.
Alles schon vorgekommen und unrühmlich bekannt von Wuppertal bis Rostock. Kommende Haushaltssperren in Zeiten der Schuldenbremse könnten das Szenario noch verschärfen. Dergleichen ist nicht neu, aber eine Lösung außer hinhaltendem Widerstand nicht wirklich in Sicht.
Was also tun? Thomas Schmidt, ehemaliger Geschäftsführer des Weimarer Nationaltheaters und Professor für Theater- und Orchestermanagement an der Hochschule für Darstellende Kunst in Frankfurt, hat auf 465 Seiten eine «Kritik des deutschen Theatersystems» verfasst und ihm ein Reformpaket verschrieben. Es sieht die üblichen organisatorischen Betriebsoptimierungen vor, deren Ertrag von Fall zu Fall unterschiedlich ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Franz Wille
Wer oder was jung ist, lässt sich ja noch einigermaßen bestimmen: Eine 1991 geborene Regisseurin ist es, ein fast 70-jähriger Ex-Theaterkritiker und Juror sicherlich nicht mehr. Wo aber fängt Radikalität an, und wo überschreitet sie ihre Grenzen? Der Duden bietet als Synonyme für radikal eine ganze Latte von Beispielen: hart, rabiat, rigoros, unnachgiebig,...
Ein junges Paar mit einem drei Monate alten Kind in einer auf Kredit gekauften Wohnung. Nur unregelmäßige Einkünfte. Vor der Tür der Geldeintreiber. Draußen im Baum ein so herz- wie nervenzerreißend miauendes Kätzchen. Eine Mutter, die den vielleicht rettenden Verkauf der Datsche torpediert. Stau auf dem Weg zum letztmöglichen Zahlungstermin bei der Bank....
Die Sowjetunion ist für Darja und mich in erster Linie die Familie.» Ungefähr nach vier Stunden spricht Niza Jaschi (Lisa Hagmeister) diesen Satz über sich und ihre Schwester (Franziska Hartmann). Ein zentraler Satz in Jette Steckels Uraufführungsinszenierung von Nino Haratischwilis «Das achte Leben (für Brilka)» am Hamburger Thalia – weil die Passage das narrative...
