Textspielraum für Deutsche
Das Auswanderergeschäft im 19. Jahrhundert boomte. Amerika war das Ziel, und für besonders utopiefreudige Europäer sollte die Südhälfte des Kontinents bestimmt sein. Zum Beispiel Brasilien: Das hatte sich ein Hamburger Kolonisationsverein ausgeguckt, um mit der Verschiffung deutscher Migranten das ganz große Geschäft zu machen und – so ganz nebenbei – den Traum eines «Magna Germania» im brasilianischen Urwald zu verwirklichen. Heute sind aus den ehemals deutschen Kolonien mittlere Städte namens Joinville oder Blumenau gewachsen.
Dorthin ist Regisseurin Karin Beier mit ihren Schauspielern und Schauspielerinnen gereist und hat für ihr Theater- und Ausstellungsprojekt «Pfeffersäcke im Zuckerland» unter den Nachkommen jener Migranten recherchiert.
Sie hat Elfriede Jelinek um einen kleinen, wenige Seiten umfassenden Beitrag zu ihrem deutsch-brasilianischen Projekt gebeten. Geschenkt hat ihr Elfriede Jelinek weit mehr als das: einen großen Theatertext über die Deutschen, die «strahlenden Verfolger», die in der Metapher des Profilscheinwerfers glänzend getroffen sind. Der Text selbst funktioniert wie die Maschine Theater, und man kann ihn als Bühnenraum begreifen: Da gibt es neben den ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 170
von Sybille Meier
Am Ende von «Three Kingdoms» zwängt sich Risto Kübar durch einen extrem schmalen Schlitz, durch den außer ihm niemand hindurch zu passen scheint, auf die Bühne. Er kniet sich vor einen Tisch und macht seinem Gegenüber, dem am Ende seiner Reise durch Europa all seiner Gewissheiten beraubten britischen Detective Stone, einen Vorschlag: «I learned Origami since I was...
Jalta? Verdammt, was war das noch? Traumhafte Kulisse, perfektes Welttheater. Was 1943 auf der Teheran-Konferenz arrangiert und 1945 in Potsdam umgesetzt wurde – in Jalta wurde schon mal darauf angestoßen. Ein Intermezzo, ein Treffen der «Großen Drei» bei kaukasischem Champagner. Ein PR-Coup Stalins, den Blick klar auf eine neue Weltordnung gerichtet. Diese hielt...
TH Sie haben alle drei in den letzten Jahren ein Theater geleitet – bei Stefan Bachmann liegt es schon ein bisschen länger zurück –, und starten in Ihre jeweils zweite Intendanz. Neue Stadt, neues Theater, neues Publikum, neue Teams. Neues Glück. Erste große Frage: Was wollen Sie beim zweiten Mal anders machen?
Stefan Bachmann Bei mir ist offensichtlich, dass...
