Sympathy for the devil
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau, eine aus der Zeit gefallene Wohnung, die alles sein kann, Anstalt und Blocksberg, Künstlerküche und Straßenbahn, Ostblock und Naher Osten, Höllentor und Golgatha, Realistenkiste und Animationsstudio.
Volker Hintermeier hat diese Bühne in die Werkhalle der Stuttgarter Interimsspielstätte gebaut, mit einer Hingabe, dass jedem Ostalgietrödler das Herz aufgehen muss. Ein perfekter Bulgakow-Schauplatz, wo die schmuddeligsten Literaten die aufregendsten Frauen abkriegen. Weil sie Meister in der Menschenliebe sind. Die Frau heißt in diesem Fall Margarita (Nadja Stübiger), sieht aus wie eine Doppelagentin, strahlt aber eine musische Aura aus; dank ihr überwindet der regimefeindliche Bettelliterat seine Angst vor der Angst. Und vollendet sein Manuskript.
Win-win? Weit gefehlt. Sieger bleibt immer der Teufel. In Stuttgart klettert ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter
Kimmigs Fassung von Gorkis Prä-Revolutionsdrama «Kinder der Sonne», geschrieben 1915 in Festungshaft, ist politisch erfreulich unsentimental. Kimmig lässt dezidiert alle Szenen weg, die bei Gorki auf einen bevorstehenden Aufstand der Unterschicht verweisen. Revolutionskitsch im BE-Stil oder vermeintlich «linkes» Kunstgewerbe-Pathos à la Lösch sind nicht so Kimmigs...
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht. Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte...
Dass Theodor W. Adorno den Jazz geringgeschätzt hat, ist verbürgt. Jazzorchester erinnerten den Philosophen an Militärkapellen. Der Dramatiker Thomas Melle bastelt aus der kulturgeschichtlichen Petitesse eine Mini-Farce. Ein deutsches Paar in Israel: Während sie mit dem Kellner flirtet, widert ihn das bevorstehende Jazzkonzert schon beim Frühstück an. Obwohl er...
