Stuttgart: Schauspielhaus, Kammertheater/Nord
Da müsste doch Sprengkraft drinstecken: Hasko Weber eröffnet das sanierte Stuttgarter Schauspielhaus mit Schillers «Don Karlos» genau an jenem Tag, an dem der fast zwei Jahre lang umkämpfte Schlosspark neben dem Theater zugunsten von Stuttgart 21 geräumt wird und die heftigst verteidigten Bäume abgeholzt werden.
Dann beschwört die Aufführung auch noch vom ersten Moment an das Motiv der Revolution: «Der Aufstand beginnt mit einem Spaziergang», lautet der erste Satz, und in diesem Zusammenhang erinnert das Heiner-Müller-Zitat durchaus an die Anfänge der schwäbischen «Wutbürger»-Protestlawine. Außerdem beschwört das Bühnenbild von Thilo Reuter mit wandgroßen Fotomotiven den arabischen Frühling – dankenswerterweise hat Schiller dem Marquis von Posa den gerade aktuellen Verweis auf den «allgemeinen Frühling in der Welt» in den Mund gelegt. Schließlich wird auch noch der Mord an Karlos ausgebremst durch den ans Ende verlegten Satz: «Das Volk will ihn lebendig sehen oder ganz Madrid in Flammen aufgehen lassen.»
So wird das revolutionäre Brodeln, von dem im Stück immer nur die Rede ist, in den Blick gerückt – eigentlich eine sinnige Motivation für König Philipps Staatsterror. Doch Hasko ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Andreas Jüttner
TH Matthias Lilienthal, Kirsten Hehmeyer, Ihre Zeit am HAU geht im Juni zu Ende. In zehn Jahren ist aus dem Bühnenkombinat im nordwestlichen Kreuzberg eins der erfolgreichsten Theater der Hauptstadt geworden – zwei Einladungen zum nächsten Theatertreffen, gute Auslastungszahlen und, nicht zuletzt, eine zugewandte Presse. Das war 2003/04, als Sie die drei...
Wo war der Geist von Christoph Schlingensief? Schien er auf, als die große Patti Smith einfach ein Lied für ihn sang? Spiegelte er sich in der ausgesuchten Höflichkeit des Botschafters von Burkina Faso, der mit feiner Stimme das Engagement des 2010 verstorbenen Künstlers und seiner Hinterbliebenen lobte? Oder steckte er in den Details des sichtlich von Matthew...
Das HAU ist ein schwer festzunagelndes Lieblingstheater. Eines seiner Vorgänger in dieser Kategorie, die Berliner Volksbühne, war da deutlich leichter zu fassen mit ihrer Aura aus Arroganz, Exzentrik und Rock’n’Roll. Man konnte sich buchstäblich wärmen an diesem oft mit einem Panzerkreuzer verglichenen Haus, von dem der ehemalige Volksbühnendramaturg Matthias...
