Steinbruch Illyrien
In den Landschaften nördlich von Griechenland müssen die Leidenschaften so dionysisch sein, dass man es dem Personal von «Was ihr wollt» nicht verübeln kann, wenn es sein Heil im Komasaufen sucht. Nach den gelungenen Inszenierungen von Lars von Triers «Idioten» (Heidelberg) und Ewald Palmetshofers «wohnen. unter glas» (Wien) hat Sebastian Schug nun mit Shakespeares melancholischer Komödie einen großen Abend für Schauspieler angestrebt.
Allerdings müsste man zu diesem Zweck ein besser bestücktes Ensemble zur Verfügung haben.
Und man sollte nicht derart auf der krachledernen Seite des illyrischen Gefühlsdschungels landen, dass von der Reise in die dialektischen Klüfte erotischer Anziehung und Abstoßung kaum was übrig bleibt. Paul Grill etwa heult in der Eingangsszene des Orsino Rotz und Wasser, bis jeder weiß: Der liebeskranke Herzog ist ein Waschlappen. Dann singen die Heidelberger Illyrier immer wieder ausdauernd, bevor in der Hasenfuß-Szene mit Sir Leichenwang und der als Cesario verkleideten Viola die Degen derart kunstvoll fliegen, dass man den Text vergessen könnte, der auch noch mit im Spiel ist.
Mit dem Verhältnis der Inszenierung zum Text ist das so eine Sache. Zum einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Doch, doch, sie haben was zu bieten, die Herren Heiratskandidaten. In einer Reihe sind die vier mit ihren blumengeschmückten Gabentischen und Sonntagsanzügen an die Rampe der Kammerspielbühne vorgerückt: der grobschlächtige Chauffeur Karl (Edmund Telgenkämper), der deutschnationale Frauenhasser Müller (Jochen Noch), der speckig-wendige Kellner Max (Peter...
Wolfgang Reiter ließ zum Schluss seiner Direktion im Zürcher Theater am Neumarkt wunderbar nörgeln. Zum Beispiel, dass die «Restauration» in den Künsten keine Kritik ertrage. Die schöne und irre Polemik von Kathrin Röggla, was denn ein Zuschauer zu leisten habe, hätte als Auftakt aber mehr Funken versprüht, als es die Fermate zu tun vermochte. Am Ende hörte und las...
Der Mensch sei eine Bestie, behauptet der Dichter. Aber nacktbäuchig ist er doch recht lustig anzusehen, entgegnet der Theatermacher. Das ist so der Diskurs zwischen Stephan Bachmann (geboren 1966) und Pedro Calderón de la Barca (geboren 1600, gestorben 1681), den sich der Zirkuszeltbesucher in einem Park direkt am Alsterufer im eher geschniegelten Hamburger...
