Sprache ist Macht
Das ist schon beeindruckend, wenn einem James Bond aus knapp zwei Meter Entfernung in die Augen sieht und persönlich sagt, was er als nächstes mit Othello vorhat.
Der kleine New-York-Theater-Workshop im East Village ist in eine Holzschachtel aus Spanplatten mit Zuschauerbänken auf drei Seiten verwandelt worden. Auf dem Boden liegen Matratzen.
«Othello» in der Regie von Sam Gold und mit der Star Besetzung David Oyelowo (Othello) und Daniel Craig (Jago) spielt in einem amerikanischen Militärcamp, in einer heutigen testosterongeladenen Männer- und Kriegs-Umgebung.
Wenn das Stück beginnt, ist es absolut dunkel. Nur die Handys der Soldaten geben etwas Licht. Auch Desdemonas Bett ist eine der Matratzen im Männer-Schlafcontainer, zum Schluss die einzige. In der Welt aus Macht, Ehrgeiz und Intrigen, gelenkt vom Manipulator Jago, ist Othello neben Desdemona (Rachel Brosnahan) der einzig Liebende, was sein Verhängnis wird. Craig spielt Jago als Street Kid in kurzen Hosen und Baseballmütze; ein Junge, der sich raufarbeitet und das Recht in Anspruch nimmt, skrupellos jeden zu betrügen. Sein argloser Jungsblick, der so scheinbar offen die Zuschauer verführt, schafft ihm Vertrauen auch bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Stefanie Carp
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und...
Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist?...
Elfriede Jelinek versteht eine ganze Menge von Mode. Und von Körpern. Und Selbstzweifeln. Und Heidegger. Und noch viel mehr: «Das Licht im Kasten», der Stückabdruck.
Ayad Akhtar bezeichnet sich als «kulturellen Muslim». Was das bedeutet und wie man damit in Amerika lebt: ein Gespräch.
Das Athener Nationaltheater geht durch interessante Zeiten, nicht nur wegen der...
