Spiel mit dem Lied vom Tod
Amerika eignet sich derzeit im Theater für die eigene Standortbestimmung besonders gut. Cowboyhüte und der Wilde Westen haben Hochkonjunktur auf deutschen Bühnen und taugen vorzüglich, um individuelle wie gesellschaftliche Befindlichkeiten kurz zusammenzufassen.
Auch Ralph Hammerthaler siedelt sein Auftragswerk, eine Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem Forum Freies Theater, im Westerngenre an. Ausgehend vom Amoklauf des Schülers Robert S.
in Erfurt geht er allerdings einen entscheidenden Schritt weiter: Seine Geschichte vom Jungen Carlos, der seinen Lehrer erschießt, sich eine Zeitlang als Outlaw rumschlägt, am Ende aber doch gestellt wird, ist nämlich alles andere als ein Western. Doch die Western-Dramaturgie der Gegensätze ist wie eine groteske Kostümierung und lässt die Hilflosigkeit unserer Erklärungsmodelle umso stärker hervortreten. Die Verteilung der mit Computerspielen und Waffen sozialisierten Kids auf das typische Westernpersonal von Hilfssheriff, Gesetzlosem und Bardame zeigt stets auch ihr Nicht-Aufgehen in diesen klar definierten Rollen und Posen. Stark sind seine lakonischen, aber auch brutalen poetischen Bilder und Zustandsbeschreibungen in den Monologen, ...
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