Sinn im Überfluss
Den Skandal gab es schon vor der Premiere. Das Dortmunder Theater warb für Thirza Brunckens «Faust»-Inszenierung mit einem Plakat, auf dem das Foto eines Mannes mit blutig geschlagenem Gesicht zu sehen war. Offensichtlich hatte ihn jemand mit Faustschlägen traktiert. Darüber prangte, wie über allen Dortmunder Theaterplakaten, der Spruch: «Willkommen in Dortmund».
So war die Premiere keine Überraschung mehr: Überdeutlich ist der Wille, dem prominentesten Paradestück der deutschen Theaterkultur neue Perspektiven abzugewinnen.
Mit allen der Regisseurin, dem Bühnenbildner und dem Dramaturgen zur Verfügung stehenden Mitteln, Texten, Materialien, Verweisen wird Goethe überhäuft, um zu prüfen, ob der Klassiker noch zurückschlägt. Christoph Ernst hat eine schräg verkantete Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad auf die Bühne gestellt, die angefüllt ist mit modernem Wohnungsgerät und alltäglichem Krimskrams, Krempel, Zeug, Abfall. Bücher, Küchengerät, Möbel, Schallplatten, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Zeitungen, billiger Nippes – alles stapelt sich, wimmelt auf dem Boden, in den Ecken. So viel weiß man sofort: Faust ist ein Messie. Darüber prangt die Reproduktion einer Fotografie des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wir waren schlecht, würde ich sagen. zumindest an jenem freitag abend im november. wenig wurde aus ihm gemacht von unserer seite. ein braves publikum, das eher eindimensionalen vorstellungen von wissensvermittlung folgte. ein braves publikum, das dem vermeintlichen expertenwissen zu folgen schien, wohin es einen auch führte. wenig widerspruch. wenig...
Hilfe, dieser Film macht sentimental! Selbst wenn das Living Theatre im eigenen Mythenhaushalt kaum eine Rolle spielt, selbst wenn man wie der Regisseur Christoph Schlingensief im DVD-Bonusmaterial fest davon überzeugt ist, es sei «totaler Blödsinn» zu glauben, ein Theaterstück könne politisch etwas bewirken: Dirk Szuszies Dokumentarfilm «Resist» rührt empfindlich...
Der Jud’ tut gut.» Dieser Satz klingt ein wenig seltsam in Nazideutschland, aber er fällt nun doch in einem Film, der von sich im Untertitel behauptet, «die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler» zu erzählen: «Mein Führer» von Dani Levy ist eine Komödie, unschwer zu erschließen aus der Tatsache, dass es Adolf Hitler selbst ist, der den Satz sagt. «Der Jud’...
