Selbstschutzlämmer und Selbstbetrugsschweine

Tschechow «Platonow»

Theater heute - Logo

Sie stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Auch wenn die wegbricht, tut sich für die vom Leben gelangweilte und vom Tod verschmähte Gesellschaft keine Weite und Perspektive auf: Hinter der Wand kommt noch eine Wand, und man weiß, das geht so weiter, ohne Ausweg. Manchmal kleben die Figuren förmlich an dem nur oberflächlich noblen Bretterverhau, als ob auch morsches Holz magnetisch wirken könnte; dann kauern sie in verkrampften, unnatürlichen Stellungen. Aufrecht zwar, aber in Wirklichkeit blickt man auf sie herab, wie sie im freien Fall aus der Ordnung wegkippen.



Dabei sind Wirklicheit und Ordnung das Letzte, was Georg Schmiedleitner in seiner Inszenierung von Tschechows «Platonow» am Nürnberger Theater diesen Figuren gönnt. Der Bankrott hat sich auf der öden Spielfläche (Bühne: Florian Parbs) flächendeckend ausgebreitet und ist längst auch in die Seelen der verzweifelt glücklosen Glücksfanatiker gekrochen. Sie haben ihr Geld und ihre Ideale verloren,
verscherbelt und versoffen, jetzt warten sie untätig und um Erlösung plappernd nurmehr auf den großen Knall. Der wird sich als Verpuffung herausstellen, und in der Realität werden die Bankrotteure weiter dahinvegetieren, als wär alles ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2010
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Premieren im Juni

Aachen, Theater
Kasse: 0241/47 84 244
26. Molière, Der eingebildete Kranke
R. Albrecht Hirche 

 

Aalen, Theater der Stadt

Kasse: 07361/522 600

19. Kipling, Das Dschungelbuch

R. Michael Letmathe

 

 

Altenburg/Gera, TPT

Kasse Altenburg: 03447/585 161

Kasse Gera: 0365/827 91 05

11. Senst, Im Canale Infernale (U)

R. Heiko Senst 

(Freilicht-Produktion Gera)

24. Lange,...

Notorisch unerschrocken

Peter Zadek hat 1966 im Bremer Theater «Die Räuber» inszeniert, Wilfried Minks hat ihm einen Comic-Strip-Guerillero mit Maschinenpistole im Stile Roy Liechtensteins als Bühnenbild gemalt, Bruno Ganz spielte die Kanaille Franz Moor – und Theaterdeutschland bebte fast so wie der Mannheimer Theatersaal bei der Uraufführung von Friedrich Schillers Stück am 13. Januar...

Temponauten mit Geschichte

«Man wird das Gefühl nicht los, man müsse noch mal zurück ins Jahr 2000 – haben wir nicht irgendetwas Wichtiges vergessen?», fragt Alexander Karschnia im Webmagazin Berliner Gazette. 2006 startete «Little Red», titelgebende Protagonistin der Performance von andcom­pany&Co., ihre erste Bühnen-Zeitreise aus der Zukunft des 3. Jahrtausends direkt in die Nachwendezeit....