Schmiere de luxe
Der Schottenrock wird weithin unterschätzt. Man hat ihn als sympathische Schrulle lieb gewonnen, nimmt ihn als Kleidungsstück aber nicht weiter ernst. Damit ist jetzt Schluss: Die Protagonisten der Oscar-Wilde-Inszenierung «Ernst ist das Leben» im Akademietheater demonstrieren eindrucksvoll, wie kleidsam und sexy das verkannte Teil sein kann – und wie gut der Kilt mit Sakkos aus Schlangenleder oder Hermelinfell, mit Cowboyhut und sogar Westernstiefeln harmoniert.
Martin Kraemers Kostüme sind der heimliche Star einer Inszenierung, in der an Stars ohnedies kein Mangel herrscht.
Auf der Besetzungsliste stehen fast nur erste Kräfte des Hauses, und für die Stückfassung zeichnet keine Geringere als Elfriede Jelinek verantwortlich. Die Nobelpreisträgerin, die schon Farcen von Feydeau und Labiche übersetzte, hat sich nun (gemeinsam mit der Übersetzerin Karin Rausch) erstmals Oscar Wilde vorgenommen. Das liegt näher, als es scheinen mag: Auch bei Wilde liegt der ganze Witz in der Sprache. In seinem wohl besten Stück «The Importance of Being Earnest» (1894) tut der ziemlich abstruse Plot um die Eskapaden zweier Dandys nichts weiter zur Sache; die Dialoge aber sind zum Teil so aberwitzig ...
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Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...
Willkommen in der Wirklichkeit» – so hieß das Motto der 3. Perspektive deutsches Kino, die vor drei Jahren zusätzlich zur speziellen Präsentation und Förderung des Nachwuchses ins Berlinale-Programm gewuchtet wurde. Leider ergab sich bald der Eindruck, dass die Realität, in der die Filme ankamen, dieselbe war wie die, von der sie gestartet waren – nämlich die der...
Birgit Lengers Henning Fangauf, in Ihrem Artikel «Endlich erwachsen» (Dramaturg 2/04) heißt es: «Der Sparte Kindertheater fehlt es momentan an Orientierung. Gerade an jenen Innovationen, die das Junge Theater so positiv vorangebracht haben, hat diese Sparte nicht partizipiert. Seine Stücke und Spielweise haben sich in den letzten Jahren dem gehobenen...
