Schaumkronen des Dargestellten
Wie funktioniert Theater und was hat es noch zu bedeuten? Thomas Oberenders Studie «Leben auf Probe» versucht, Ordnung zu schaffen bei so etwas Unordentlichem wie dem kreativen Prozess, der zusätzlich unterminiert wird von allerlei psychischer Unbotmäßigkeit und talentierter Nonkonformität. Als Dramaturg in Bochum und Zürich und als Schauspielchef in Salzburg hat er das Privileg, den Weltinnen- und Schutzraum der Probebühne zu betreten. Und dem Phänotyp Schauspieler in seinem Verhalten, seiner Selbstbegegnung und dem Fremdverhältnis zur Figur ganz nahe zu kommen.
Oberender macht seine Beobachtungen aus nüchtern professioneller Teilhabe und schwärmerischer Anteilnahme an dem rätselhaften Entstehungsprozess einer Inszenierung, ausgehend vom Nullpunkt, dem «Ritual des Anfangs», über den treffend als «Spiel haben» bezeichneten elastischen Probenvorgang bis zur Verwandlung, wenn der Text «bloß noch die Schaumkrone des Dargestellten» ist. Für seine Mischform aus Reportage, Notat, Porträt, Essay und konkreter Mystifikation findet er eine behutsame Sprache, die das Ineinander von Handwerk, Wirkungsmechanik, biografischen Einschlüssen, von Disziplin und Kontrollverlust, Virtuosität, ...
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Irgendwann wird die Wissenschaftlerin, die gerade von ihrer Arbeit in einem Moskauer Krebsforschungsinstitut kommt, von einem hysterischen Lachkrampf geschüttelt. Sie lege jetzt ein peinliches Geständnis ab, diktiert sie der belgischen Multimedia-Performancegruppe Berlin ins Mikrofon: Die Mittfünfzigerin geht jeden Abend nach Dienstschluss stundenlang putzen. Eine...
Frau Müller war seit Jahren einsaaam,
seit untern Zug in Vals ihr Mann kam.
Nun stand auch noch die Weihnacht an,
ein Jahr, nachdem es ihren Mann nahm.
Und sie war wochenlang gelaufen
vor diesem Laden hin und her,
sie wollte jenen Mantel kaufen.
Doch Geld hatte sie keines mehr.
Sie sah sich in dem Mantel stehn,
sah sich zu großen Galas gehn.
Den Mann des Lebens fände sie!
...
Der amerikanische Regie-Altmeister Robert Wilson und Popstar Rufus Wainwright (35) fanden in ihrer Liebe zu Shakespeare zueinander und zelebrierten am Berliner Ensemble einen Abend zwischen Traum und Theaterwirklichkeit: «Shakespeare Sonette», 5.12., 19.40 Uhr, ZDF Theaterkanal.
Fernsehen
Dienstag, 1.
14.45, Theaterkanal: Die Patiencen der Weigel – ein Film (2000)...
