Roman: Im Asia-Döner
Im Gegensatz zu vielen eher orientierungslosen Zeitgenossen hat sich der Bitterfelder Bürger Hermann Odetski auch Jahre nach dem Mauerfall beneidenswert klare Ideale bewahrt. «Sehr geehrte Frau Honecker», wendet er sich per Brief an die ehemalige Volksbildungsministerin und Witwe des Staats- und Parteichefs der DDR: «Der allgemeine Zustand unserer heutigen Jugend scheint mir von Egoismus und/oder Richtungslosigkeit geprägt.
» Beim eigenen Sohn Phillip, der sich wiederholt an der Berliner Kunsthochschule beworben hat und die Warteschleife in der sächsisch-anhaltinischen Heimat schon seit geraumer Zeit mit fragwürdigen ABMs überbrückt, erscheint Herrn Odetski «die Sachlage» sogar «noch verschärfter»: «Ich würde sagen», analysiert er auf der alten volkseigenen «Erika» mit der dysfunktionalen «ß»-Taste messerscharf, «die Richtungslosigkeit ist in Langeweile umgeschlagen» und «die Langeweile in völliges Abhandengekommensein von Sinn!»
Präziser lässt sich der kollektive Status quo wahrscheinlich nicht beschreiben in der einstigen realsozialistischen Chemiestadt Bitterfeld anno 2002, wo der Debütroman des Dramatikers Dirk Laucke spielt. Aufstrebende Zeitgenossen wie der «geschmeidig ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christine Wahl
Da schlagen die Herzen der HausmusikfreundInnen aber höher: Klavier um Heimorgel, Harmonium um Cembalo hat Bühnenbildner Stephan Weber an die gekachelten Bühnenwände der Studiobühne des Basler Theaters gerückt, bis übers Portal hinaus drängen sie sich in den Zuschauerraum, bis kein Notenblatt mehr dazwischen passt. Schwarzgekleidete Schauspieler schlagen...
Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung...
Der Wiener Maler und Liedermacher Arik Brauer hat in den 70er Jahren einen seiner Dialektsongs mit dem schönen Satz «Das ist ein beinhartes Protestlied» eingeleitet, und es lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, wie ironisch das gemeint war. Fünf Jahre später, im Mai 1976, hatte die «Proletenpassion» Premiere, und man kann sagen: Das war ein beinhartes...
